REGION. Es ist ein Aufbruch mit Ansage: Die Hunsrück-Nahe Vermarktungsgesellschaft die wirtschaftliche Institution hinter der bekannten Regionalmarke „Soo Nahe“, vollzieht einen Generationswechsel. Seit dem 1. Januar führt Christian Patsch die Geschäfte. In einem Pressegespräch präsentierte die Führungsebene nun die Pläne für die kommenden Monate, die vor allem eines versprechen: mehr Dynamik, eine stärkere Vernetzung und eine Professionalisierung der internen Abläufe.
Einvernehmlicher Wechsel an der Spitze
Der bisherige Geschäftsführer Klaus Wilhelm schied nach Auslaufen seines Vertrages zum Jahresende aus. Die Trennung erfolge „im absolut Guten“, wie der Vorsitzende Dr. Rainer Lauf betont. Nach zwölf Jahren, in denen die Marke von der ehrenamtlichen Struktur in eine GmbH überführt wurde, wolle man nun neue Impulse setzen. Diese seien auch verstärkt aus der Mitgliedschaft gefordert worden.
Mit Christian Patsch (47) hat man einen Fachmann gewonnen, der die Region und die Branche kennt. Der gebürtige Hamburger lebt seit 16 Jahren in Rheinland-Pfalz und hat sich am „Gut Hermannsberg“ einen Namen in der Gastronomie und im Weinvertrieb gemacht. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, wurde Patsch bereits im November eingestellt und von Klaus Wilhelm umfassend eingearbeitet.
Aufgabenbündelung und Effizienz
Patsch, der derzeit zusätzlich eine Weiterbildung zum IHK-Betriebswirt absolviert, wird künftig viele Aufgaben übernehmen, die bisher extern vergeben waren. Von der Buchhaltung über die Jahresabschlüsse bis hin zur Social-Media-Betreuung soll die Kompetenz direkt beim Geschäftsführer gebündelt werden. „Wir wollen die Marke praktisch aus einer Hand steuern“, so Dr. Lauf
Logistik-Offensive und neue Produktlinien
Ein zentraler Kritikpunkt der Vergangenheit war die teils schwierige Logistik in der weitläufigen Region. „Hier setzt „Soo Nahe“ nun auf eine starke Partnerschaft mit „C & C Nahe Wasgau“ in Bad Kreuznach. Durch deren wachsendes Ausliefergeschäft sollen Gastronomen und Händler künftig zuverlässiger mit regionalen Produkten wie Säften und SooNahe-Fleisch beliefert werden“, so Helmut Hehner-Kiltz.
Auch das Sortiment wächst. Da viele Händler nach mehr Vielfalt verlangen, öffnet sich die Marke für regionale Manufakturen, deren Rohstoffe zwar nicht hier wachsen, die aber vor Ort veredelt werden (z. B. Kaffee oder spezieller Senf). Hierfür wird eine „zweite Linie“ mit einem eigenen Logo eingeführt. Damit bleibt die strikte Trennung gewahrt: Was hier wachsen kann (wie Dinkel für Nudeln), muss auch von hier kommen. Was nicht hier wächst (wie Kaffeebohnen), wird durch das neue Label als „regional gefertigt“ gekennzeichnet.
Vernetzung und Termine
Um die Marke wieder sichtbarer zu machen, setzt Patsch auf Präsenz. Neben Klassikern wie dem Feierabendmarkt in Kreuznach ist für den 1. September ein neues Eventformat in Zusammenarbeit mit der Familie Marzell geplant. Zudem soll im Mai eine große B2B-Veranstaltung bei der Kirner Brauerei die Mitglieder untereinander besser vernetzen.
„Die Marke hat einen hervorragenden Ruf, aber wir müssen wieder präsenter in den Köpfen werden“, resümierte der Vorsitzende. Eine aktuelle Mitgliederbefragung, deren Ergebnisse Mitte Februar erwartet werden, soll die strategischen Leitplanken für das Jahr 2026 final festlegen.
Hintergrund: Die Marke „Soo Nahe“
Die Marke steht für belegbare regionale Herkunft. Durch strenge Pflichtenhefte und Kontrollen wird sichergestellt, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. „Schwarze Schafe“ müssen mit dem Entzug der Markennutzung rechnen, wie jüngste Beispiele gezeigt haben.




