BAD KREUZNACH. Was 2022 als politische Initiative begann, ist nun amtlich: Der Landkreis Bad Kreuznach und die ukrainische Stadt Pervomaisk sind offizielle Solidaritätspartner. Am Samstag wurde die entsprechende Urkunde in einer feierlichen Zeremonie im Sitzungssaal der Kreisverwaltung unterzeichnet.

Die Anreise der vierköpfigen Delegation unterstrich bereits die Bedeutung dieses Treffens: Rund 2.000 Kilometer legten Bürgermeister Oleg Demtschenko, sein Stellvertreter Wolodymyr Rjabtschenko sowie Tetyana Danilchenko und Igor Sotskiy in einem Kleinbus zurück. Zwei Tage dauerte die Fahrt aus der zwischen Kiew und Odessa gelegenen 70.000-Einwohner-Stadt an die Nahe.
Landrätin Bettina Dickes blickte in ihrer Ansprache auf die bewegten Monate seit Beginn des russischen Angriffskrieges zurück. Sie erinnerte an die enorme Solidaritätswelle im Landkreis, die schnelle Aufnahme von Geflüchteten und die Integration ukrainischer Kinder in hiesige Bildungseinrichtungen. Die auf Initiative von Dr. Helmut Martin (MdL) entstandene Partnerschaft sei nun ein konsequenter Schritt, um aus der akuten Hilfe eine langfristige, aktive Freundschaft in Frieden zu entwickeln.

Bürgermeister Oleg Demtschenko dankte dem Kreistag und der Landrätin für die ausgestreckte Hand. Er betonte, dass diese Kooperation die Ukraine näher an die Europäische Union rücke und den Austausch über europäische Werte und moderne Technologien ermögliche.
Beeindruckend waren die Zahlen, die Demtschenko aus seiner Heimat mitbrachte: Die erst 2020 im Zuge einer Dezentralisierungsreform neu strukturierte Gemeinde Pervomaisk hat während des Krieges rund 20.000 Binnenvertriebene aufgenommen – primär Familien und Senioren. Etwa 7.000 von ihnen sind dort heute dauerhaft registriert. „Wir bemühen uns, diese Menschen mit Wohnraum, Arbeit und Lebensmitteln zu versorgen, damit das Leben in unserer Gemeinde möglichst sicher und menschenwürdig bleibt“, so der Bürgermeister.

Blick in die Zukunft: Jugend und Wirtschaft
Die unterzeichnete Vereinbarung sieht eine Zusammenarbeit auf vielen Ebenen vor:
Humanitäre Hilfe: Unterstützung in Krisenzeiten.
Wirtschaft & Tourismus: Aufbau gegenseitiger Beziehungen.
Jugendaustausch: Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Zusammenführung junger Menschen beider Nationen.
Ein straffes Besuchsprogramm
Bevor die Delegation am heutigen Montag die Heimreise antritt, wartete ein dichtes Programm auf die Gäste. Neben Besichtigungen in Bad Kreuznach, Meisenheim und Bingen sowie einem Ausflug zur Rüdesheimer Drosselgasse stand heute ein Besuch beim Bad Kreuznacher Unternehmen Allit sowie eine Fahrt ins Kirner Land an.
Landrätin Dickes hob besonders das Engagement des Ersten Kreisbeigeordneten Oliver Kohl hervor, der den Prozess über 18 Monate intensiv begleitet hatte. Ein besonderer Dank ging zudem an Harald Skär von der Pressestelle, der als Motor hinter den internationalen Kontakten die Organisation des Besuchs federführend leitete.





