KREIS BAD KREUZNACH. Es war ein Neujahrsempfang, der in der Geschichte der regionalen SPD seinesgleichen sucht. Zwischen tiefer Trauer um den verstorbenen Michael Simon und dem festen Willen zum politischen Aufbruch versammelte sich die „SPD-Familie“ am Samstag im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Als Ehrengast setzte Ministerpräsident Alexander Schweitzer ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt.
Eigentlich hätte dieser Tag der fröhliche Auftakt in das Wahljahr 2026 werden sollen. So hatten es die Stadtverbandsvorsitzende Christina Denker, Markus Below und der verstorbene Kreisvorsitzende Michael Simon vor einem Jahr geplant. „Heute sind wir alle hier, nur einer fehlt“, konstatierte Denker sichtlich bewegt vor den rund 180 Gästen. Der plötzliche Tod Simons am Silvestertag 2025 überschattete die Zusammenkunft und ließ die Redner immer wieder nach Worten suchen.
„Lebenszeit ist Gnade“
Johanna Körper, stellvertretende Kreisvorsitzende, fand tröstende und zugleich mahnende Worte. Sie würdigte Simon als „Kümmerer ohne Gleichen“ und appellierte an die Anwesenden, Lebenszeit nicht mit dem zu vertrödeln, was trenne, sondern sie für das Gemeinsame zu nutzen. Ihr Wunsch für 2026: „Mehr miteinander reden, statt übereinander.“

Auch Markus Below blickte in seinem Jahresrückblick auf die unermüdliche Arbeit Simons zurück, der Politik nie als Hochglanz-Produkt, sondern als ehrliche Arbeit an der Haustür und am Infostand begriffen habe. Ein persönlicher Moment blieb Below besonders in Erinnerung: Wie Simon nach der Corona-Pandemie bei einer Ehrung den damaligen Landeschef Roger Lewentz beiseiteschob, um seinem Freund die Urkunde für 25 Jahre Mitgliedschaft persönlich zu überreichen.
Trotz des Schocks richtete sich der Blick nach vorne. Dr. Claudia Eider, die Simons Mandat im Landtag übernommen hat, wird am 22. März auch als Erstkandidatin für den Wahlkreis 17 ins Rennen gehen. Unterstützt wird sie dabei von B-Kandidat Matthias Schütte. Eider schilderte den „surrealen Film“, der seit dem Neujahrstag in ihrem Kopf ablaufe, betonte jedoch: „Ganz im Sinne von Michael Simon werden wir Vollgas geben.“ Sie sei vorbereitet und habe für die kommenden Herausforderungen „Pläne B bis F in der Schublade“.
Schweitzer: Plädoyer für die demokratische Mitte
Ministerpräsident Alexander Schweitzer stärkte Eider in ihrer neuen Rolle den Rücken: „Es ist gut, dass du diese Aufgabe übernimmst. Du wirst das Beste daraus machen.“ In seiner anschließenden Grundsatzrede schlug Schweitzer den Bogen von der regionalen Betroffenheit zur großen Politik. Mit einem leidenschaftlichen Appell zur politischen Kultur unterstrich er die Notwendigkeit des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Trotz inhaltlicher Differenzen müsse die demokratische Mitte stets den Konsens suchen. „Zusammenarbeit ist kein Zeichen der Schwäche, sondern die größte Stärke unserer Demokratie“, so Schweitzer. Eindringlich warnte er davor, den „Feinden der Demokratie das Feld zu überlassen“. Mit Blick auf die globale Lage rief er zu einem klaren Bekenntnis für Europa auf: Nur ein offenes Europa ohne neue Grenzen sei ein starkes Europa.

Dass die Sozialdemokraten trotz der schweren Zeit ihren Optimismus nicht verloren haben, bewiesen Dr. Claudia Eider und Dr. Denis Alt (Kandidat für den Wahlkreis 18) in einer schlagfertigen Fragerunde, die das Publikum begeisterte. Den musikalischen Rahmen gestaltete das Duo „Kleingartenanlage“ (Julia Oschewsky und Marc Kluschat), das die emotionale Gratwanderung dieses Vormittags feinfühlig begleitete.Am Ende blieb das Gefühl eines Verbandes, der durch einen schweren Verlust enger zusammengerückt ist – entschlossen, das Erbe Michael Simons in die Zukunft zu tragen.





