BINGEN. Beim traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Bingen am Rhein zeichnete Oberbürgermeister Thomas Feser ein Bild einer Stadt, die trotz angespannter Finanzen massiv in ihre Zukunft investiert. Im Fokus standen dabei die kommende Skulpturen-Triennale, wegweisende Baustellen in Bingerbrück und der flächendeckende Glasfaserausbau.
Im Rheintal-Kongress-Zentrum, musikalisch umrahmt von den „Binger Stadtmusikanten“, begrüßte Oberbürgermeister Thomas Feser zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Ehrenamt. Sein Rückblick auf das Jahr 2025 war geprägt von globalen Krisen, doch für Bingen betonte er die Stärke der Gemeinschaft: „Gerade in Zeiten wie diesen zeigt sich die wahre Stärke“, so Feser mit Dank an die rund 1,4 Millionen Ehrenamtlichen in Rheinland-Pfalz.
Triennale 2026: „Verbindung und Zusammenhalt“
Ein kulturelles Highlight steht kurz bevor: Am 16. Mai wird die 7. Skulpturen-Triennale eröffnet. Unter dem passenden Motto „Verbindung und Zusammenhalt“ werden bis zum 4. Oktober rund 20 Kunstwerke das Rheinufer und die Innenstadt zieren. Zur Eröffnung wird Ministerpräsident Alexander Schweitzer erwartet. Feser dankte besonders den Stiftern Gerda und Kuno Pieroth sowie den Sponsoren, ohne die diese hochkarätige Schau nicht möglich wäre.

Haushalt: „Die Lage ist mehr als angespannt“
Beim Blick auf die Finanzen schlug der Stadtchef ernstere Töne an. Trotz erfreulicher Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 33,9 Millionen Euro im Jahr 2025 weist der Nachtragshaushalt 2026 ein Defizit von 7,9 Millionen Euro aus. Feser verteidigte seine strikte Haushaltsdisziplin der vergangenen Jahre: „Wir haben jeden Euro zweimal umgedreht. Das war gut und richtig so, andernfalls wäre unsere Lage nun katastrophal.“ Dennoch wird investiert: Rund 33,8 Millionen Euro fließen 2026 unter anderem in Kitas, Schulen und Infrastruktur, unterstützt durch erhebliche Fördergelder von Bund und Land.
Infrastruktur: Fokus auf Bingerbrück und den Hauptbahnhof
Besonders viel Geduld wird den Bürgern in Bingerbrück abverlangt. Während der Umbau der „Darmverschlingung“ (Knotenpunkt B9/B48) bis Mitte 2026 abgeschlossen sein soll, beginnt nun die Sanierung der Ortsdurchfahrt (Koblenzer Straße). Hier setzen die Stadtwerke erstmals digitale Messenger-Dienste ein, um Anwohner über den Baufortschritt zu informieren.
Kritische Worte fand Feser in Richtung der Deutschen Bahn bezüglich des Hauptbahnhofs Bingerbrück. Für den geplanten 50-Millionen-Euro-Umbau im Jahr 2028 fordert die Stadt mit Nachdruck Barrierefreiheit ohne Umwege und moderne Sanitäranlagen. „Wir werden mit Nachdruck dafür sorgen, dass die Belange der Stadt Bingen sich in den Planungen wiederfinden“, betonte Feser, der sich diesbezüglich bereits ohne Antwort an das Bundesverkehrsministerium mit ihrem Minister an der Spitze, dem rheinland-pfälzischen Patrick Schnieder gewandt hat.

Heilig-Geist-Hospital auf neuem Kurs
Ein Aufatmen gab es beim Thema Gesundheitsversorgung. Nachdem die Lage des Heilig-Geist-Hospitals (HGH) lange Zeit als kritisch galt, konnte der Stadtchef nun positive Signale senden. Unter der Leitung von Geschäftsführer Martin Heinz Müller und dem Ärztlichen Direktor Dr. Harald Bernd schlage der Aufsichtsrat erfolgreich einen neuen Weg ein. „Das HGH ist personell inzwischen gut aufgestellt“, berichtete Feser. Er betonte die Bedeutung der Klinik als festen Bestandteil des Stadtbildes und äußerte die Hoffnung auf eine weitere finanzielle Konsolidierung in den kommenden Jahren.
Investitionsoffensive für die kleinsten Bürger
Ein gewaltiger Kraftakt zeigt sich in der Binger Kita-Landschaft. Allein für den Bereich Kindertagesstätten verzeichnet der Haushalt ein Defizit von 2,9 Millionen Euro – Geld, das die Stadt jedoch bewusst in die Bildung investiert.
Mit den Kitas „Weltentdecker“ (Burg Klopp) und „Mäuseturm“ (Bingerbrück) wurden im vergangenen Jahr zwei Einrichtungen erfolgreich fertiggestellt. Für die Kita „Wiesenwichtel“ ist ein Ersatzneubau am Flummyland geplant. Ab Herbst 2026 soll hier Platz für 140 Kinder geschaffen werden (vorher 84). Das Besondere: Neben einer heilpädagogischen Gruppe für schwerstmehrfachbehinderte Kinder werden Logopädie und Physiotherapie direkt im Haus angeboten, um Eltern weite Wege zu ersparen.
Digitalisierung: Glasfaser für alle Stadtteile
Ein Meilenstein für die Wettbewerbsfähigkeit ist der Glasfaserausbau. Feser verkündete, dass durch Kooperationen mit GlasfaserPlus, der Deutschen Glasfaser und Westconnect nun für alle Stadtteile Ausbaupläne bestehen. „Damit ist Bingen flächendeckend zukunftsfähig aufgestellt“, so der Oberbürgermeister. Während in Bingerbrück und Büdesheim bereits gearbeitet wird, startet der Ausbau in Dietersheim und Gaulsheim ab 2027.
Abschied von „Bingen swingt“
Zum Ende seiner Rede blickte Feser auf das Veranstaltungsjahr, das neben Klassikern wie „Rhein in Flammen“ und dem Winzerfest auch einen wehmütigen Moment bereithält: Vom 12. bis 14. Juni findet die 27. und letzte Ausgabe von „Bingen swingt“ statt. Unter dem Motto „Bye Bye Bingen Swingt“ verabschiedet sich das internationale Jazzfestival mit einem großen Finale von seinem Publikum.Mit einem Glas feinherben Weißburgunder vom Weingut Heinz sowie Traubensaft und Wasser und Gebäck vom Backhaus Lüning stießen die Gäste schließlich auf ein Jahr an, das für Bingen viel Bewegung und Veränderung verspricht.





