RHEINLAND-PFALZ. Die Luftrettung in Rheinland-Pfalz erreicht einen neuen Meilenstein. Seit dem 1. Januar 2026 ist der Intensivtransport- und Rettungshubschrauber „Christoph 77“ wieder im 24-Stunden-Betrieb im Einsatz. Damit reagiert das Land auf die zunehmende Spezialisierung der Kliniken und sorgt dafür, dass schnelle Hilfe auch bei Dunkelheit aus der Luft kommt.
Von der Morgendämmerung bis tief in die Nacht: Wer in Rheinland-Pfalz in eine lebensbedrohliche Lage gerät, kann nun zu jeder Uhrzeit auf Hilfe aus der Luft zählen. Wie Innenminister Michael Ebling bekannt gab, wurde der Betrieb des in Mainz stationierten Hubschraubers „Christoph 77“ mit Beginn des neuen Jahres auf einen vollen 24/7-Modus ausgeweitet.
Hinter der Entscheidung steckt eine tiefgreifende Veränderung in der deutschen Gesundheitslandschaft. „Die Krankenhauslandschaft hat sich spürbar verändert: Spezialisierungen nehmen zu, Wege werden länger“, erklärte Ebling. Wenn Patienten nachts von einem kleineren Krankenhaus in eine hochspezialisierte Fachklinik verlegt werden müssen, zählt oft jede Minute. Hier bietet der Hubschrauber gegenüber dem bodengebundenen Rettungsdienst einen entscheidenden Zeitvorteil.
Eine Bedarfsanalyse aus dem Jahr 2024 hatte gezeigt, dass gerade bei nächtlichen Notfällen und Verlegungen über weite Strecken eine Versorgungslücke bestand. Diese wird nun durch die ständige Verfügbarkeit von „Christoph 77“ geschlossen.

Hightech gegen die Dunkelheit
Dass Einsätze bei Nacht heute sicher möglich sind, ist vor allem dem technischen Fortschritt zu verdanken. Die Besatzungen der ADAC-Luftrettung nutzen modernste Nachtsichtgeräte (Night Vision Imaging Systems). Diese Brillen verstärken das natürliche Restlicht so stark, dass Piloten Hindernisse wie Windräder oder Stromleitungen auch in völliger Dunkelheit frühzeitig erkennen können.
Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung GmbH, sieht den Standort Mainz bestens gerüstet: „In Mainz sind unsere Crews bereits seit Jahren bis 22 Uhr im Einsatz. Unsere Piloten, Ärzte und Notfallsanitäter verfügen somit bereits über wichtige Erfahrungen bei Dämmerung und Dunkelheit.“
Eine bewegte Geschichte
Für „Christoph 77“, der seit 1997 in Mainz stationiert ist, ist der Nachtbetrieb eine Rückkehr zu den Wurzeln. Ursprünglich bereits rund um die Uhr im Einsatz, wurde der Flugbetrieb im Jahr 2007 auf die hellen Tagesstunden reduziert und 2019 zumindest bis 22 Uhr verlängert. Mit der jetzigen Rückkehr zum 24-Stunden-Dienst ist die Luftrettung so leistungsfähig wie nie zuvor.
Ob der Hubschrauber dauerhaft in Mainz stationiert bleibt, ist indes noch offen. Das Land will die Einsatzdaten fortlaufend evaluieren. Perspektivisch könnte für den 24/7-Betrieb auch ein anderer Standort in Rheinland-Pfalz in Betracht kommen, um die bestmögliche Abdeckung für das gesamte Bundesgebiet zu gewährleisten.
Hintergrund: Sicherheit durch Nachtsichttechnik
Restlichtverstärker: Spezielle Brillen machen die Umgebung für die Crew sichtbar.
Cockpit-Anpassung: Die Instrumente sind speziell abgedunkelt, um die Nachtsicht nicht zu stören.
Erfahrung: Die ADAC Luftrettung absolviert bundesweit bereits über 3.000 Nachtflüge pro Jahr an Standorten wie Münster, Senftenberg oder Ulm.








