StartNachrichtenKreis Bad KreuznachDigitales Frühwarnsystem reduziert Sturzrisiken

Digitales Frühwarnsystem reduziert Sturzrisiken

SIMMERN. „Wie geht es Ihnen – soll ich Ihnen helfen und Sie zur Toilette begleiten?“ fragt Cathrin Hoff, Stationsleitung der Inneren Medizin 1R der Diakonie Kliniken Hunsrück, als sie Herrn H. an der Bettkante sitzen sieht. Der ältere Patient ist kurz zuvor aufgewacht, noch etwas wackelig nach dem Eingriff. „Das ist noch mal gut gegangen“, sagt Hoff erleichtert. „Gut, dass mich das neue System gewarnt hat. Nach einer Narkose sind viele Patientinnen und Patienten zunächst geschwächt und desorientiert – so konnte ich eingreifen, bevor etwas passiert.“

Weniger Stürze, mehr Sicherheit
Die Diakonie Kliniken Hunsrück haben auf Station der Inneren Medizin ein digitales Frühwarnsystem eingeführt, dass die Patientensicherheit deutlich erhöht. Auf der 34 Betten-großen Station werden viele ältere Menschen, oft mit mehreren chronischen Erkrankungen, behandelt – eine Patientengruppe mit einem besonders hohen Risiko für Stürze. Das Mobilitäts-Monitoring-System des Schweizer Unternehmens QUMEA nutzt 3D-Radarsensoren, die selbst kleinste menschliche Bewegungen im Raum erfassen. Die Daten werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz verarbeitet. „Erkennt das System, dass eine Patientin in Zimmer 1 versucht, das Bett zu verlassen oder sich ein Patient in Bett 2 sehr stark bewegt, erhalten wir sofort ein Signal. Das hilft uns, frühzeitig zu handeln und Stürze zu verhindern.“, so Hoff weiter.
Vorausgegangen war eine mehrmonatige Testphase, bei der alle Zimmer vollständig mit Radarsensoren ausgestattet wurden. Das Ergebnis: 50 Prozent weniger Stürze und eine spürbare Unterstützung des Personals im Pflegealltag.

Das System erfasst Bewegungsdaten radarbasiert und anonym, die Privatsphäre bleibt gewahrt. – Fotos: Stiftung kreuznacher diakonie, Sandra Beck

Privatsphäre und Datenschutz im Fokus
Das System arbeitet vollständig anonym: Keine Kameras, keine Mikrofone, keine Aufzeichnung von Bild- oder Tondaten. Es handelt sich um ein geschlossenes, verschlüsseltes System, das keine personenbezogenen Daten speichert und die Privatsphäre der Patientinnen und Patienten vollständig wahrt. Das System gibt lediglich ein Signal, wenn ein potenzielles Sturzrisiko besteht. „Wir sind sehr zufrieden mit dem System. Es verbessert die Sicherheit spürbar – ohne in die Privatsphäre und Selbstbestimmung der Menschen einzugreifen“, erklärt Pflegedirektorin Daria Joanna Ricke.

Weiterer Ausbau in Planung
Auch andere Einrichtungen der Stiftung kreuznacher diakonie – darunter weitere Kliniken sowie Einrichtungen der Senioren- und Behindertenhilfe – prüfen derzeit die Einführung solcher digitalen Frühwarnsysteme. Damit zeigt der größte freigemeinnützige Träger medizinischer und sozialer Einrichtungen in Rheinland-Pfalz, dass technologischer Fortschritt und menschliche Zuwendung zusammengehören. Für weniger Stürze, mehr Sicherheit und mehr Zeit für das, was Pflege ausmacht: Nähe.


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