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18. Januar 2026
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Heimatkalender 2026 vorgestellt: Militärgeschichte prägt den neuen Jahrgang

KREIS BIRKENFELD. Der voll besetzte Festsaal des Birkenfelder Schlosses bot am Samstag den feierlichen Rahmen für die Vorstellung des Heimatkalenders 2026 des Nationalparklandkreises Birkenfeld. Der mittlerweile 71. Jahrgang steht unter dem Leitthema „Militärgeschichte der Region“ – ein Schwerpunkt, der sich auch bei der offiziellen Präsentation des 320 Seiten starken Werkes eindrucksvoll widerspiegelte. Fünf Autorinnen und Autoren berichteten in Kurzvorträgen über die militärische Vergangenheit des Landkreises von der Oldenburger Zeit bis in die Gegenwart.

Redaktionsleiter Karsten Schultheiß erläuterte den rund 55 Anwesenden im Saal, warum sich das Team auf Anregung von Peter Simon für das Thema entschieden hat. Zum einen ist die Frage der militärischen Sicherheit angesichts aktueller weltpolitischer Krisen – nicht zuletzt seit dem russischen Angriff auf die Ukraine – von neuer Brisanz. Zum anderen verfüge die Region über einen großen Fundus an fachkundigen Zeitzeugen, Historikern und ehemaligen Soldaten, die ihr Wissen einbringen konnten. Die Folge: 15 Beiträge behandeln das Schwerpunktthema – mehr als in früheren Jahrgängen. Sie zeichnen sich durch hohe Qualität, fachliche Tiefe und große Vielfalt aus.

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Das zeigte sich auch bei der offiziellen Heimatkalender-Präsentation, die mit zahlreichen historischen Fotos garniert wurde. Peter Nauert, früherer Stadtbürgermeister von Birkenfeld, gab einen Überblick über die Geschichte der Garnisonsstadt vom Bau der oldenburgischen Infanteriekaserne im Jahr 1842 in der Schneewiesenstraße (heute befindet sich dort die Bauabteilung der Kreisverwaltung) bis zum Abzug der 2. Luftwaffendivision aus der Heinrich-Hertz-Kaserne im Jahr 2013.

Der aus Griebelschied stammende Oberstleutnant Benjamin Faust beleuchtete die Ausbreitung des Militärs in der Zeit des Nationalsozialismus, die unter anderem zur Ausweisung des Truppenübungsplatzes im Baumholder und dem Bau der Klotzbergkaserne in Idar-Oberstein – beide wurden 1938 in Betrieb genommen – führte. Faust informierte zudem in seinem Vortrag über die Vielzahl an Stellungen, die im Zuge des Westwallbaus (ab 1936) in der sogenannten Luftverteidigungszone West im heutigen Kreisgebiet errichtet wurden. Auch die Einrichtung des Feldflugplatzes in Hoppstädten fiel in diese Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Die Idar-Obersteiner Stadtarchivarin Dr. Svenja Müller, die im neuen Heimatkalender den Weg der Schmuckstadt zum Militärstandort in den Fokus nimmt, rückte am Samstag bei ihrem Kurzvortrag vor allem die Personalie von Karl Strecker in den Blickpunkt. Er war der letzte deutsche General, der am 2. Februarr 1943 im Kessel von Stalingrad mit seinen Resttruppen kapitulierte. Was hingegen wohl die Wenigsten wissen: Strecker war vor dem Zweiten Weltkrieg Infanteriekommandeur in Idar-Oberstein und lebte dort mit seiner Familie im herrschaftlichen Gebäude, das heute das Deutsche Edelsteinmuseum beherbergt.

Ein profunder Kenner der Klotzbergkaserne ist Hisso von Selle. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes war im Lauf seiner beruflichen Karriere gleich dreimal dort stationiert, zuletzt als Bataillonskommandeur. Er berichtete am Samstag nicht nur von seiner eigenen Zeit „auf dem Klotz“, sondern auch über den durchaus erstaunlichen Umstand, dass die Franzosen dort – also im von ihnen besetzten Ausland – nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeitweilig ihre nationale Artillerielandschule eingerichtet hatten.

Komplettiert wurde die Reihe der Kurzvorträge bei der Vorstellung des neuen Heimatkalenders durch den früheren Landrat Axel Redmer. Er beleuchtete die Geschichte des Depots in Nahbollenbach, das zunächst von den Nazis als Heeresversorgungslager gebaut worden war und später von den US-Amerikanern auf einer Fläche von knapp 30 Hektar mit fast 40 beheizbaren Lagerhallen deutlich ausgeweitet wurde. Heute ist im Gewerbepark Nahetal das frühere Stabsgebäude, das „Kennedy-Center“, das einzige, aber das Areal immer noch optisch dominierende Relikt.

Landrat Miroslaw Kowalski begrüßte die Schwerpunktwahl in seiner Begrüßungsrede ausdrücklich, denn „Militärgeschichte ist leider wieder sehr präsent“. Er wies darauf hin, dass sich die Kreisverwaltung erneut intensiv mit Fragen des Zivil- und Katastrophenschutzes beschäftigen müsse.

Der Heimatkalender sei aber weit mehr als ein Jahrbuch für Militärinteressierte: „Er ist eine Visitenkarte für unseren Landkreis“, ergänzte Kowalski.

Denn wie gewohnt bietet der Kalender mit seinen insgesamt rund 80 Beiträgen einen abwechslungsreichen Mix aus historischen Themen, Rückblicken und Biografien. Dazu gehören unter anderem der Jahresrückblick 2025 (Karsten Schultheiß), die „Schlagzeilen des Sports“ (Bernd Pohl), das zehnjährige Bestehen des Nationalparks Hunsrück-Hochwald (Mariam Landgraf), die Bundestagswahl mit der Wahl von Julia Klöckner zur Bundestagspräsidentin (Kurt Knaudt) sowie das Resümee zur Kreisbereisung, die Landrat Miroslaw Kowalski in alle 96 Orte des Kreises geführt hatte (Axel Munsteiner).

Auch zahlreiche Jubiläen, zum Beispiel von Vereinen oder von Firmen, werden im neuen Heimatkalender thematisiert – darunter 150 Jahre VfL Algenrodt und TV Vollmersbach (Wolfgang Röske und Dieter Petsch), 100 Jahre Horbach Industriebedarf GmbH in Idar-Oberstein (Jörg Lindemann) und das 75-jährige Bestehen der Tankstelle Schmidt in Sien (Ulrich Eckhoff).

Aber auch an traurige Anlässe erinnert der neue Heimatkalender. „Leider haben wir im Kreis im Jahr 2025 viele Persönlichkeiten verloren“, betonte Karsten Schultheiß bei der offiziellen Vorstellung des neuen Jahrbuchs. Dazu zählt Hans-Peter Brandt, der mit mehr als 300 Publikationen einer der produktivsten Historiker des Birkenfelder Landes war und von 1993 bis 2010 die Redaktion des Heimatkalenders leitete.

In dessen neuer Auflage wird in Nachrufen unter anderem auch an den langjährigen Brückener Ortsbürgermeister Karl-Otto Engel und an Bernd Cullmann, Leichtathletik-Olympiasieger von 1960 aus Tiefenstein, erinnert, die vor einem Jahr noch an der Vorstellung des damaligen Heimatkalenders teilgenommen hatten und dann beide im Januar 2025 verstorben waren.

Ein besonderer Dank von Landrat Miroslaw Kowalski galt schließlich allen Autoren, darunter 14 Frauen, die ihre Aufsätze wie immer honorarfrei zur Verfügung gestellt haben. Auch deshalb kann der Heimatkalender zum günstigen Preis von 9 Euro zum Verkauf angeboten werden. Erfreulich, so Schultheiß, ist zudem, dass beim Heimatkalender Autoren aus allen Generationen mitwirken – der Jüngste ist Jegors Gelblings aus Birkenfeld mit 15 Jahren, die älteste ist Irene Würz mi 91 Jahren. Positiv hervorzuheben ist schließlich auch die Tatsache, dass die Autorenbeiträge aus allen Teilen des Kreises eingereicht wurden und der neue Heimatkalender somit einen umfassenden Überblick über die Geschichte und das aktuelle Geschehen im BIR-Kreis bietet.

Musikalisch umrahmt wurde die offizielle Vorstellung von Johann Behrend, Klavierlehrer der Kreismusikschule Birkenfeld. Er brachte am Piano mit einem Walzer in a-moll und vor allem mit der Polonaise „Militär“ zum Schwerpunktthema trefflich passende Stücke von Frédéric Chopin zu Gehör.

Der neue Heimatkalender ist an verschiedenen Verkaufsstellen erhältlich.


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