KREIS BIRKENFELD. Die privaten Haushalte im Nationalparklandkreis Birkenfeld müssen sich ab dem kommenden Jahr auf höhere Abfallgebühren einstellen. Der Werksausschuss hat sich in seiner jüngsten Sitzung einstimmig für eine Änderung der Gebührensatzung zum 1. Januar 2026 ausgesprochen und einen entsprechenden Empfehlungsbeschluss an den Kreistag weitergereicht. Die endgültige Entscheidung soll voraussichtlich am 8. Dezember fallen.
Die bisher letzte Gebührenerhöhung des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) liegt elf Jahre zurück. Nun ist eine Anpassung erforderlich, um die Entsorgung auch künftig kostendeckend sicherstellen zu können. Wie Werkleiter Holger Schäfer erläuterte, rechnet der AWB im Wirtschaftsplan 2026 mit rund 1,2 Millionen Euro Mehrkosten, die über die Gebühren refinanziert werden müssen. Gründe seien unter anderem die nach Neuausschreibungen teurer gewordene Verträge für die Altpapierabfuhr, die Altholzverwertung sowie die Sonderabfallentsorgung.
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Ein weiterer Kostentreiber ist im Rahmen der thermischen Behandlung der Abfälle die Entstehung von CO2 und die Bepreisung nach dem Brennstoffemissionshandelgesetz (BEHG). Auch gestiegene Personalkosten und die höheren Abfuhrentgelte für Mulden schlagen zu Buche.
Für die Kalkulation der neuen Tarife nutzte der AWB die Expertise der darauf spezialisierten Unternehmensberatung PwC aus Kiel. Deren Vertreter Dr. Jochen Bender stand den Ausschussmitgliedern per Videoschaltung für Rückfragen zur Verfügung. Bei der vorgeschlagenen Gebührenstruktur habe man Wert darauf gelegt, die mengenbezogenen Gebühren für die Gefäße stärker zu erhöhen als die Pro-Kopf-Grundpreise. „Damit tragen wir ein Stück weit auch dem Gedanken der Abfallvermeidung Rechnung“, so Schäfer.
Im Schnitt sollen die Gebühren – sofern der Kreistag dem Empfehlungsbeschluss des Werksausschusses folgt – für die 33.000 Abfalltonnen im Landkreis um etwa 20 Prozent steigen. Ein Vier-Personen-Musterhaushalt mit einer 60-Liter-Abfalltonne hätte künftig jährlich 279 Euro zu zahlen – 47,40 Euro mehr als bisher (plus 20,45 Prozent). Auf den Monat gerechnet ist das eine Mehrbelastung von 3,95 Euro. Dr. Jochen Bender informierte die Ausschussmitglieder darüber, dass Gebührenerhöhungen von 20 Prozent seiner Erfahrung nach derzeit keine Ausnahme sind.
Trotz des allgemeinen Kostendrucks, mit dem die Bürger in vielen anderen Lebensbereichen konfrontiert sind, äußerten die Ausschussmitglieder Verständnis für die geplante Erhöhung der Abfallgebühren. „Wir können dem AWB sicher nicht empfehlen, rote Zahlen zu schreiben“, betonte beispielsweise Matthias König (Freie Wähler). Der Wirtschaftsplan 2026 würde ohne Gebührenerhöhung deutlich im Minus landen.
Diese Klarstellung sei ein bedeutsamer Aspekt, befand Bruno Zimmer: „Gerade für die Außenwirkung ist es wichtig, dass es bei der Gebührengestaltung um die Kostendeckung der Abfallentsorgung geht und mit dem Geld der Bürger nicht irgendwelche andere Dinge querfinanziert werden“, erklärte das SPD-Werksausschussmitglied.
Landrat Miroslaw Kowalski ergänzte: „Wir konnten die Gebühren glücklicherweise sehr lange stabil halten.“ Nun sei man aber seitens des AWB zu einer Gebührenerhöhung gezwungen, um auskömmlich zu wirtschaften.
Der Empfehlungsbeschluss wurde schließlich von allen Fraktionen mitgetragen – mit Ausnahme einer Enthaltung. Darüber hinaus empfahl der Werksausschuss dem Kreistag die Zustimmung zum AWB-Wirtschaftsplan 2026 mit einem Gesamtvolumen von rund 10,7 Millionen Euro.
Einstimmig befürwortet wurde im weiteren Verlauf der Sitzung der Abschluss eines neuen Pachtvertrags mit der Entsorgungsgesellschaft Landkreis Birkenfeld (EGB), die das operative Geschäft des AWB übernimmt. Die EGB soll das derzeit entstehende neue Verwaltungsgebäude am Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) Reibertsbach pachten. Der Neubau befindet sich im Innenausbau und soll nach aktuellem Stand Ende des Jahres bezugsfertig sein.
Ein weiterer Beschluss betrifft den geplanten außerschulischen Lernort auf dem Deponiegelände Reibertsbach, der künftig einen Beitrag zur Umweltbildung leisten soll. Für die Erstellung einer Maßnahmenkonzeption vergab der Ausschuss einen Auftrag über rund 11.500 Euro an die Agentur Imago 87 GmbH (Bayern). Die Kosten werden vollständig aus dem Regionalen Zukunftsprogramm (RZN) des Landes finanziert, das hierfür 20.000 Euro bereitstellt. Nicht verbrauchte Mittel können in die künftigen Umsetzungsschritte des geplanten Lehrpfads fließen. Dadurch wird der Geldbeutel des Gebührenzahlers nicht zusätzlich belastetet.
Eine Schlüsselrolle beim Aufbau des Lernorts übernimmt Carmen Grasmück, die seit einem Jahr beim AWB für Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Ihre Arbeit, die sie beim jüngsten Treffen des Werksausschusses vorstellte, richtet sich insbesondere an Kinder und Jugendliche, die sie für die Themen Abfallvermeidung und richtige Mülltrennung sensibilisieren möchte. Während bisher vor allem Kitas im Fokus standen, sollen ab voraussichtlich 2027 verstärkt Grundschulkinder von den Bildungsangeboten auf dem Deponiegelände profitieren.
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