REGION. Im ersten Halbjahr 2025 wurden erstmals mehr Wärmepumpen (139.500) als Gasheizungen (132.500) in Deutschland verkauft, wobei der Absatz von Wärmepumpen um 55 Prozent stieg. Diese Angaben stammen vom Bundesverband der Heizungsindustrie (BDH), vom Bundesverband Wärmepumpe und einer Auswertung des deutschen Heizungsherstellers Stiebel Eltron. Der Gesamtabsatz von Heizgeräten sank erneut deutlich, im ersten Halbjahr 2025 um 22 Prozent.
Trotz des gestiegenen Interesses an Wärmepumpen liegt der Verkauf weit unter dem Ziel der Ampelregierung von 500.000 pro Jahr, während jährlich über eine Million Heizsysteme modernisiert, werden müssten. Wärmepumpen sind eine wesentliche Säule bei der Erreichung der Dekarbonisierungsziele bei der Energieversorgung.

Wir fragen nach bei Alexander Scholtz, dem Geschäftsführer der evb Energieversorgungs-Betriebsgesellschaft mbH, einem Unternehmen aus dem Hunsrück, dass deutschlandweit größere Heizungsanlagen baut und betreibt:
Warum läuft der Ausbau langsamer als geplant?
Alexander Scholtz: „Die Zurückhaltung hat mehrere Ursachen. Einerseits besteht Unklarheit bezüglich der grundsätzlichen politischen Ausrichtung zu vielen energiepolitischen Vorgaben in Berlin. Andererseits sind auch vielerorts noch Fragen offen, welche konkreten Konzepte im Rahmen der kommunalen Wärmeplanungen vor Ort beschlossen werden. Aufgrund der sehr heterogenen Gebäudestrukturen kristallisieren sich hierbei eine Vielzahl an individuellen Lösungskonzepten für die jeweilige Gebiet heraus. Sehr häufig wird künftig die Wärmepumpe die optimale technische Lösung ein – meist in Kombination mit einer PV-Anlage.“
Wie geht die Branche hiermit um?
Alexander Scholtz: „Manche schreiben von einer Krise der Heizungsbranche aufgrund der Absatzdelle. Allgemein hat man mit vielfach unpassenden überarbeitungsbedürftigen Rechtsvorschriften und vielen regulatorischen Vorgaben zu kämpfen. Gleichzeitig steigen der Digitalisierungsdruck und der Kampf um gute Arbeitskräfte. Ich denke aber, die mittelfristige Perspektive ist gut, weil die Rahmenbedingungen bald klarer werden dürften und die Nachfrage nach SHK-Leistungen hoch sein wird.“
Was macht Wärmepumpen im Vergleich zu anderen Technologien so effizient im Hinblick auf die Emissionsreduktion?
Alexander Scholtz: „Zum einen sind Wärmepumpen lokal emissionsfrei. Das heißt, die Emissionen kommen nur aus der Stromerzeugung. Je nachhaltiger diese wird, desto nachhaltiger wird auch die Wärmepumpe. Zum anderen ist der hohe Wirkungsgrad zu nennen. Hier wird Strom direkt in Wärme umgewandelt, während zum Beispiel bei grünem Wasserstoff mehrere Umwandlungen mit entsprechenden Verlusten erfolgen. Die Wärmepumpe nutzt die Umgebungswärme, was dazu führt, dass ein Vielfaches der eingebrachten elektrischen Energie als Wärmeenergie zur Verfügung steht. Wenn man sich die eingesparten CO2-Emissionen pro subventionierte Euro ansieht, wird deutlich, dass Wärmepumpen mehr als zehnmal effizienter sein können als alternative Technologien. Der Einsatz von Wärmepumpen ist auch in Gebäuden mit schlechterer Energieeffizienz möglich. Und es gibt Kombilösungen mit Gas oder Pellets, bei denen die Wärmepumpe primär bei höheren Außentemperaturen zum Einsatz kommt. Wir haben auch größere Wärmepumpen bei Industriebetrieben und in Wohnquartieren im Einsatz.“
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Welche Rolle spielen die Anschaffungs- und Installationskosten?
Alexander Scholtz: „Die Investitionskosten sind im Vergleich zu anderen Anlagenarten hoch, aber über die Gesamtlaufzeit betrachtet, rechnet es sich meistens. Es ist mit einem starken Anstieg der Preise für Gas- und Heizöl zu rechnen. Es gibt bei der Wärmepumpe Förderungen der Anschaffungs- und Betriebskosten. Anzumerken ist schon, dass Wärmepumpen in Deutschland im Schnitt deutlich teurer sind als in unseren Nachbarländern. Hohe technische und regulatorische Anforderungen treiben die Preise in die Höhe. Experten sagen, dass der deutsche Staat einen großen Teil zahle und die Art der Förderung ein Hauptgrund dafür sei, dass die Preise für einen Wärmepumpeneinbau bei uns so hoch liegen. Nur in Deutschland ist die Förderung nämlich abhängig von den Installationskosten. Je teurer die Installation, desto höher die Förderung. Das treibt die Preise. Die Fördermöglichkeiten sind wahrscheinlich teilweise nicht bekannt. Das Förderregime wird übrigens politisch gerade grundsätzlich im Hinblick auf eine intelligente Ausrichtung diskutiert. Ich finde, das ist zu begrüßen. Soziale Aspekte, aber auch die Frage, ob die richtige Steuerungswirkung von Förderungen ausgeht, sind zu betrachten. Es ist etwa fragwürdig, ob Wärmepumpenförderungen sinnvoll sind in Fernwärmeausbaugebieten, bei denen hohe Investitionen in die Infrastruktur erforderlich sein werden und eine gewisse Anschlussquote für einen rentablen Betrieb notwendig sein werden.“
Vielen Dank für das Interview!





