Obermeisterin Monika Oberst zieht positive Bilanz nach zweiwöchigem Arbeitseinsatz
SIMMERN. Lohnt es sich, im Entwicklungshilfe-Verein „Geselle trifft Gazelle“ mitzumachen und sich damit im rheinland-pfälzischen afrikanischen Partnerland Ruanda im dortigen Malerhandwerk zu engagieren? „Ehe ich mich da im Verein einschreibe, wollte ich wissen, was das Hilfswerk eigentlich genau dort macht,“ sagt die Obermeisterin der Simmerner Maler- und Lackiererinnung, Monika Oberst (Belgweiler), und zieht ein rundum positives Resümee des 14tägigen Ruanda-Arbeitseinsatzes im Juni mit neun Fachkräften. Darunter agierten vier Meister und Meisterinnen ihres Fachs. Es war keine gesponserte Urlaubsreise, stellt Oberst klar. Die Teilnehmer zahlten für Flug, Unterkunft und Impfungen nicht nur selbst, sie brachten sich auch teilweise noch – wie Monika Oberst – mit Werkzeug und Arbeitsmaterial wie Klebebänder, Walzen und Pinsel finanziell mit ein.
Praktische Anleitung sehr wichtig
Ein wichtiger Aspekt bei dem Projekt der Malerinnung ist die praktische Anleitung junger Leute vor Ort, die in Berufsschulen ausschließlich theoretischen Unterricht genießen und anders als hierzulande im dualen System keine schulische Praxisanleitung genießen. So lieferten die praktischen Instandsetzungsarbeiten in einem Kinderkrankenhaus und in einer Grundschule (Klassenräume wurden renoviert) und vor allem ein Dachprojekt in einer Berufsschule für Schüler und für rheinland-pfälzische Profis gleichermaßen wichtige Erfahrungen.

Besonders beim Dachprojekt gab es bei allen Beteiligten „Aha-Effekte,“ resümiert die Obermeisterin. Es ging darum, die messbaren Konsequenzen eines Blechdach-Anstrichs mit einer besonders reflektierenden Farbe zu untersuchen. „Da ging es aber erst einmal darum, mit viel Arbeitsaufwand, mit Gießkannen, Eimern und Schrubbern die Blechdächer für einen Anstrich zu säubern,“ sagt Monika Oberst. Dabei verweist sie auf den Unterschied zu solchen Arbeiten hierzulande. Da wäre man mit einem Hochdruckreiniger in einer Stunde fertig gewesen. Die Fachfrau bewertet die Vorgehensweise in Ruanda keinesfalls negativ. Vieles was in Afrika noch in alter Tradition verläuft, muss ja im Endergebnis nicht schlechter sein. So ist ihr aufgefallen, dass die Kinder und Jugendlichen in den Schulen ausnehmend freundlich sind und zufrieden wirken. Mitgebrachte Kleinigkeiten wie ein Kartenspiel wurden freudig und dankbar entgegengenommen.
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Reflektierende Dächer auch hierzulande sinnvoll
Das Dachprojekt in der Berufsschule sollte zeigen, dass reflektierende Farbe sogar die Temperatur in den darunter liegenden Klassen senken kann. Der Vergleich mit zwei exakt gleich großen Klassen mit derselben Schülerzahl zeigte: Das neue helle Dach war kühler (man konnte die Hand drauflegen) als das herkömmliche Blechdach. Oberst: „Das war so heiß, dass man Eier hätte drauf backen können.“ Reflektierende Dachanstriche sind in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels auch in unseren Breiten ein Thema.“ Sie hat zusammen mit ihren Fachkollegen darüber hinaus festgesellt, dass die in Ruanda im Baumarkt gekaufte Farbe offenbar besser hält als die mitgebrachte aus hiesiger deutscher Produktion.

Land und Leute kennenlernen
Die Ruanda-Reise- und Arbeitsgruppe hatte sich neben dem Dach-Klimaprojekt auch die Renovierung von Räumen in einem Kinderkrankenhaus und in einer Grundschule vorgenommen. So waren die zwei Afrikawochen gut mit Arbeit angefüllt. Natürlich nutzte man auch die Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen. Untergebracht war man (bis auf drei Hotel-Tage) unter eher spartanischen Bedingungen in einem Kloster. Info-Besuche in der Hauptstadt Kigali und im dortigen Auswärtigen Amt rundeten die Reise ab. Ja, man habe sich in Ruanda durchweg sicher gefühlt, bilanziert die Obermeisterin – die Gruppe sei allerdings stets mit einem eigenen Bus unterwegs gewesen und die Objekte, wo man tätig war, seien immer bewacht gewesen.
Gute Erfahrungen weitergeben
Für Monika Oberst, die sich schon seit Jahren über die Kindernothilfe mit Patenschaften engagiert, ist „Geselle trifft Gazelle e.V.“, das Sozial- und Bildungsprojekt für Ruanda und Rheinland-Pfalz nach den guten Erfahrungen der praktischen Hilfe eine gute Adresse. Die besten Maler Junggesell/innen können hier mit einen zehn-Tage-Ruanda-Aufenthalt mit einer „Wild Card“ belohnt werden. Für interessierte Altgesellen und Meister ist es ein mit Kosten verbundenes Hilfsprojekt, das die eigenen Erfahrungen erweitert und in Ruanda zur praktischen Ausbildung und zur Selbsthilfe anleiten will.
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