ROXHEIM. Drei Tage lang zog wieder der unwiderstehliche Duft von frisch gekochtem Latwerch durch die Roxheimer Untere Kirchgasse – im Volksmund liebevoll „Knüppelgasse“ genannt. Bereits zum 19. Mal versammelten sich die Genossinnen und Genossen der Roxheimer SPD im Weingut Heil, um den schmackhaften Brotaufstrich herzustellen, der inzwischen eine treue Fangemeinde weit über die Dorfgrenzen hinaus hat.
Doch was genau verbirgt sich hinter dem Namen „Latwerch“? Es handelt sich um ein Mus aus Zwetschgen, das über viele Stunden hinweg dick eingekocht wird. Dieses lange Einkochen macht die Masse nicht nur süß, sondern auch besonders haltbar, weshalb nur wenig Zucker benötigt wird. Das Geheimnis des Roxheimer Latwerchs liegt jedoch in der Gewürzmischung: Eine Komposition aus vier sorgfältig ausgewählten Gewürzen wird nach einem alten Rezept vom Ortsvereinsvorsitzenden Michael Schaller zusammengestellt und frisch gemahlen. „Wichtig ist, dass unser Gewürz den Eigengeschmack der Frucht unterstützt und nicht überlagert“, betonten Schaller und sein Kollege Frank Bellmann, die als „Abschmecker“ über die Qualität wachen.
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In diesem Jahr wurden beeindruckende 1,1 Tonnen Obst verarbeitet. „Damit haben wir in diesen Jahren schon insgesamt mehr als 13 Tonnen Zwetschgen zu Mus gerührt“, erklärte Michael Schaller stolz. Traditionell wird das Mus in Kupferkesseln gekocht, wie in der „guten alten Zeit“. Mindestens zwölf Stunden lang köcheln die entsteinten Zwetschgen, um die gewünschte Konsistenz, die fast schwarze Farbe und den einzigartigen Geschmack zu erzielen. Insgesamt füllten neun Kupferkessel das leckere Mus.
Die Herstellung ist eine schweißtreibende Angelegenheit, besonders bei den diesjährigen Temperaturen von bis zu 37 Grad. Viele Helfer, auch aus den umliegenden Gemeinden, packten kräftig mit an. Die größte Herausforderung war das Entkernen der Zwetschgen, das glücklicherweise im etwas kühleren Kelterhaus stattfinden konnte. Als Dankeschön gab es für die engagierten Helfer Getränke und einen kleinen Imbiss.
Der Ruf des Roxheimer Latwerchs reicht inzwischen weit. Enthusiasten reisen extra aus dem Frankfurter Raum an, und selbst in die Türkei wurde der Aufstrich schon geliefert. Viele Stammkunden bringen bereits Tage vorher ihre eigenen Gefäße mit, um sie befüllen zu lassen. Zusätzlich zum Latwerch war der leckere Pflaumenkuchen, gebacken von Petra Braun aus der TuS 06 Küche, ein weiteres Highlight.
Doch die Aktion dient nicht nur dem Genuss. Ein Teil des Erlöses wird traditionell für einen guten Zweck gespendet. In diesem Jahr sind das Kreuznacher Frauenhaus und das Café Bunt die Empfänger. Auch prominente Unterstützung gab es vor Ort. Der Landtagsabgeordnete Markus Stein schaute vorbei, und Ministerpräsident Alexander Schweizer, selbst ein Liebhaber des Roxheimer Latwerchs, empfahl ihn in den sozialen Medien mit den Worten: „Kann ich wärmstens empfehlen“.
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