KREIS BAD KREUZNACH. Pünktlich zum Beginn ihrer zweiten Amtszeit lud Landrätin Bettina Dickes zum jährlichen Pressegespräch ein. Ungewöhnlicherweise fand das Gespräch nicht im Kreishaus statt, sondern in der Mensa des Gymnasiums am Römerkastell – ein direktes Zeichen für die aktive Beteiligung der Landrätin an der aktuellen Ferienbetreuung auf dem Schulgelände. Im Fokus des Austauschs standen ein Rückblick auf die vergangenen acht Jahre und ein Ausblick auf die bevorstehende neue Amtszeit.
Erfolge der ersten Amtszeit: Verwaltungsmodernisierung und Personalausbau
Besonderes Augenmerk lag in der ersten Amtszeit auf der Verwaltungsmodernisierung. Unter Landrätin Dickes wurde unter anderem das Ausländeramt neu eingerichtet, und den Mitarbeitern wurden moderne Arbeitsmodelle wie Homeoffice und flexible Arbeitszeiten zwischen 6 und 18 Uhr angeboten. Ein weiterer Erfolg ist die deutliche Erhöhung der Auszubildendenzahlen in den letzten acht Jahren. Erleichtert zeigte sich die Landrätin darüber, dass mit den Dezernenten Oliver Kohl (Erster Beigeordneter) und Dominic Schoßig die Verwaltungsspitze nun vollständig besetzt ist. „Es ist jetzt deutlich entspannter, nicht mehr alles alleine zu machen. Das ist wirklich klasse“, freute sich Dickes, die in den ersten Jahren ihrer Amtszeit für alle Dezernate zuständig war.
Herausforderungen: Pandemie, Flüchtlingsaufnahme und KRN
Natürlich gab es auch zentrale Herausforderungen in der ersten Amtszeit. An erster Stelle nannte die Landrätin die Corona-Pandemie. „Ich war froh gewesen, in dieser Zeit die Verantwortung getragen zu haben“, so Dickes. Intensive Gespräche laufen derzeit zwischen Kreis- und Stadtverwaltung bezüglich der Finanzierung des städtischen Jugendamtes. Eine weitere große Herausforderung waren die hohen Flüchtlingszahlen und die Aufnahme von Menschen aus der Ukraine. Die Landrätin betonte hierbei deutlich, dass sie nichts gegen Flüchtlinge habe, die zentrale Frage jedoch sei, was die Gesellschaft stemmen kann. Bettina Dickes: „Wir können nur eine bestimmte Anzahl gut integrieren“.
Auch das Thema KRN (Kreisverkehrsgesellschaft Rhein-Nahe) stellte die Landrätin vor große Aufgaben. Nach einem, wie Bettina Dickes es bezeichnete, „katastrophalen Start“, zeigte sie sich nun froh über die extrem gute Zuverlässigkeit der Busverbindungen. „Wir möchten den Bürgern ein gutes Angebot bieten, werden aber keine leeren Busse fahren lassen“, erklärte Dickes, weshalb auch kaum genutzte Strecken bereits eingestellt wurden. Aktuell laufen die Planungen für einen zweiten Betriebshof der Busse. Mit der Neustrukturierung der Wirtschaftsförderung, geleitet von Andreas Steeg, habe sich diese zudem deutlich im Landkreis verändert.
Blick nach vorn: Gesundheitswesen, Sanierungen und Tourismusfusion
Für die zweite Amtszeit der Landrätin, die 2033 endet, stehen einige wichtige Themen auf der Agenda. Im Bereich der gesundheitlichen Versorgung wird die Begleitung des Prozesses der Krankenhausumstrukturierung, der Neubau von Rettungswachen und die Verbesserung der Abläufe in der Leitstelle (wie Nahe News berichtete) im Vordergrund stehen.
Viel Zeit und Ressourcen der Kreisverwaltung werden zudem die Sanierungen des Röka-Gymnasiums, der Ellerbachschule, der Burgschule und der Waldböckelheimer Turnhalle in Anspruch nehmen. Bis zum Jahresende soll auch die Fusion der Nahelandtouristik mit der Hunsrücktouristik formell abgeschlossen sein. Dickes machte nochmals deutlich, dass es ohne eine Fusion künftig keine Landesförderung mehr geben wird.
Persönliche Einblicke: Arbeitszeit und Vorwürfe
In der Regel kennen die Bürger die Landrätin als eine lockere und fröhliche Person. Sehr ernst und betroffen zeigte sie sich bei dem Gespräch jedoch angesichts der Aussagen einiger Journalisten und Nutzer in den sozialen Medien, sie würde nichts arbeiten, sondern sei nur auf Festen zu sehen. „Gespräche mit Mitarbeitern oder Sitzungen poste ich nicht“, so Dickes.

Um diesen Vorwürfen entgegenzutreten, händigte die Landrätin eine detaillierte Statistik mit ihren Arbeitsstunden und wahrgenommenen Terminen aus. So arbeitete sie beispielsweise im April 2025 für die Kernaufgaben wie Büro, externe Termine und Gremien insgesamt 222 Stunden, was 92 Prozent ihrer Arbeitszeit ausmachte. Für repräsentative Aufgaben war sie 12 Stunden (5 Prozent) und für ehrenamtliche Tätigkeiten 8 Stunden (3 Prozent) unterwegs. Die Gesamtarbeitszeit betrug in diesem Monat 242 Stunden. Auch die weiteren Monate in der Aufstellung belegen nahezu die Aprilzahlen. Die durchschnittliche monatliche Arbeitszeit beträgt demnach 247 Stunden, was bei 18 effektiven Arbeitstagen einem täglichen Arbeitspensum von 13,7 Stunden entspricht. Eine reguläre Vollzeitstelle umfasst etwa 160 Stunden im Monat. „Die Zahlen belegen, dass ich auch arbeite und nicht nur auf Feste bin. Solche Vorwürfe machen mich fertig“, schloss Dickes sichtlich betroffen ab.




