REGION. Die Sparkasse Rhein-Nahe hat bei ihrem Jahrespressegespräch am Donnerstag die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2024 sowie ihre Sozialbilanz präsentiert. Trotz eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds konnte die Sparkasse ihre Position festigen und blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft.
„Wir haben schwierige Jahre gehabt“, resümierte Vorstandsvorsitzender Holger Wessling. Er betonte, dass das Kundengeschäft die Bilanz maßgeblich prägt. Mit einer Bilanzsumme von rund 5,4 Milliarden Euro zählt die Sparkasse Rhein-Nahe weiterhin zu den größten Sparkassen in Rheinland-Pfalz. Ein Kundenkreditvolumen von rund 3,8 Milliarden Euro und Kundeneinlagen von über 4,2 Milliarden Euro unterstreichen ihre Rolle als wichtiger regionaler Anker und zentraler Finanzdienstleister.
Operatives Ergebnis stabil und über Plan
Das operative Geschäft erwies sich als äußerst robust. Mit einem Betriebsergebnis vor Bewertung von 42,4 Millionen Euro übertraf die Sparkasse den Planwert um 6,6 Millionen Euro. Das Provisionsergebnis erreichte mit rund 39,6 Millionen Euro den zweitbesten Wert in der Unternehmensgeschichte, wobei im Wertpapier- und Giro-Bereich sogar Bestwerte erzielt wurden.
Hohe Risikovorsorge notwendig
Den positiven Entwicklungen im operativen Geschäft standen jedoch hohe Wertberichtigungen gegenüber. Einem Bewertungsergebnis auf eigene Wertpapiere von rund 8,9 Millionen Euro standen Wertberichtigungen im Kreditgeschäft von minus 28,6 Millionen Euro gegenüber. Hinzu kamen Belastungen durch Bewertungen auf Beteiligungen (11,5 Millionen Euro) und außerordentliche Wertberichtigungen auf eigene Immobilien (minus 10,1 Millionen Euro). Um dem hohen Bewertungsergebnis entgegenzuwirken, musste eine Auflösung von Vorsorgereserven nach § 340g HGB in Höhe von 3,5 Millionen Euro vorgenommen werden.
„Damit sind wir nicht zufrieden“, erklärte Wessling. Er führte die umfassenden Bewertungsmaßnahmen auf die allgemeine Marktentwicklung der letzten Jahre sowie das anhaltend anspruchsvolle konjunkturelle Umfeld zurück. Insbesondere wurden die Bewertungen von betriebsnotwendigen Neubauten und energetisch sanierten Immobilien an die aktuellen Marktverhältnisse angepasst. Die Wertberichtigungen konzentrieren sich dabei nahezu vollständig auf das Kerngeschäftsgebiet in der Rhein-Nahe Region.

Zahlen des Jahres 2024 im Überblick:
– Bilanzsumme: rund 5,4 Mrd. Euro
– Kundenkreditvolumen: rund 3,8 Mrd. Euro
– Kundeneinlagen: über 4,2 Mrd. Euro
– Gesamtkapitalquote: nachhaltig auf 15,91 % erhöht
– Risikoabbau: 380 Mio. Euro
– Mitarbeiter: 25 Neueinstellungen, alle Auszubildenden übernommen
– Online-Banking: über 87.000 Nutzer (+ 4,31 %)
– Spenden und Sponsorings: 1,1 Mio. Euro (zweithöchster historischer Wert)
Vorstandsmitglied Jörg Brendel zeigte sich erfreut über die Attraktivität der Sparkasse für junge Kunden und die hohe Akzeptanz digitaler Angebote. 74 Prozent der Kunden nutzen bereits das Online-Banking.

Das künftige Vorstandsmitglied Kai Wilhelm hob die entscheidenden Erfolgsfaktoren der Sparkasse hervor: umfassende Beratung über alle Kanäle, eine breite Dienstleistungspalette, gezielte Investitionen in Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie ressourcenschonendes Wirtschaften. Für Wilhelm sind aber die Menschen der entscheidende Erfolgsfaktor. Besonders erfreulich sei, dass alle Auszubildenden ein Übernahmeangebot erhielten und annahmen.
Aus der Vergangenheit lernen und Chancen nutzen
Die präsentierten Zahlen verdeutlichen die gelungene Stabilisierung der finanziellen Lage und die fortschreitende Transformation der Sparkasse Rhein-Nahe. Latente Risiken in Beteiligungen und Immobilien wurden angemessen wertberichtigt, was eine strukturelle Veränderung hin zu einer ausgeglichenen Bilanzstruktur ermöglicht und neue Perspektiven für profitables, nachhaltiges Wachstum im regionalen Privat- und Firmenkundengeschäft eröffnet. Wessling dankte den rund 670 Mitarbeitenden für ihr starkes Engagement und ihre außergewöhnliche Loyalität in diesen anspruchsvollen Zeiten.
Sozialbilanz: Starkes Engagement für die Region
Ein zentraler Punkt des Pressegesprächs war das gesellschaftliche Engagement der Sparkasse. „Trotz der Krisensituation haben wir nicht an Investitionen in die Region gespart“, betonte Wessling. Die Sozialbilanz belegt eindrucksvoll die Verantwortung, die die Sparkasse auch in schwierigen Zeiten übernimmt: 2024 wurden 1,1 Millionen Euro an über 360 Vereine, Projekte und Initiativen ausgeschüttet.
Für 2025 kündigte Wessling einen stärkeren Fokus auf die Kundenzufriedenheit an. Im Rahmen des DSGV-Projekts OptiMa will die Sparkasse ihre Dienstleistungen weiter digitalisieren und den Kundenservice optimieren. „Mit OptiMa gehen wir einen entscheidenden Schritt in die Zukunft des Vertriebs“, erklärte Marktvorstand Jörg Brendel.
Das Stichwort für die Zukunft ist „Multikanal“: Schnelle Online-Services, Antworten per Chat, Telefon oder Video und kompetente Beratung in attraktiven Filialen vor Ort. Die Sparkasse Rhein-Nahe plant weitere Investitionen von 10 Millionen Euro in effizientere Prozesse, individuelle Angebote, Digitalisierung und ihre Beratungs-Center, nachdem in den letzten fünf Jahren bereits 90 Millionen Euro in den Ausbau attraktiver Standorte flossen.
„Digitaler werden – Sparkasse bleiben, das wird unser Leitfaden für die Zukunft sein“, so Brendel. Die kommenden Jahre werden für Banken anspruchsvoll bleiben, und nur wer seine Digitalität zielorientiert weiterentwickelt und Kostenvorteile für Kunden sicherstellt, wird dem Wettbewerb gerecht werden können.
Abschließend bekräftigte Wessling, dass die Sparkasse Rhein-Nahe trotz aller Herausforderungen fest entschlossen sei, ihren Kurs fortzusetzen und sich weiterhin für eine starke und lebendige Region einzusetzen. „Die Sparkasse bleibt ein verlässlicher Partner für ihre Kunden und die Gemeinschaft und blickt mit Zuversicht in die Zukunft.“





