Gewobau richtet Wohnungen in ehemaliger Pizzeria ein

Trafen sich zum Vor-Ort-Termin: Christian Kossmann, Sandro Ferri, Bettino Gagliani, Karl-Heinz Seeger, Katharina Blagojevich.

BAD KREUZNACH. Anfang des Jahres ist die ehemalige „Pizzeria To go“ in der Mannheimer Straße Nr. 27 in den Besitz der Gewobau übergegangen. Die Wohnungsbaugesellschaft hat das Fachwerkhaus mit barocker Fassade samt Grundstück für rund 70.000 Euro gekauft und den in Bad Kreuznach ansässigen Architekten Sandro Ferri mit der Sanierung des Gebäudes beauftragt. Ferri war im historischen Stadtkern bereits am Eiermarkt aktiv und hatte dort das „Alt Berlin“ sowie ein Gebäude in der Schuhgasse saniert.

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Die Gewobau wird in dem mehrstöckigen Haus drei schmucke Wohnungen einrichten, auch, um im ambitionierten Wohnumfeld des historischen Stadtkerns neue Anregungen und ein gutes Beispiel für den Erhalt historischer Bausubstanz zu liefern. Im Erdgeschoss soll eine Gewerbenutzung ermöglicht werden. Bereits vor zwei Monaten räumte man großflächig den zentimeterhohen Taubendreck im Gebäude weg. Zum jetzigen Stand der Planungen geht es vor allem darum, die Bausubstanz akribisch zu untersuchen. Architekt Ferri plant einen energieeffizienten Ausbau unter KfW-Richtlinien, der auch den Vorgaben des Denkmalschutzes entspricht. Am Zuschnitt des Gebäudes werde sich vermutlich nicht viel ändern, sagte Ferri bei einem Ortstermin mit Karl-Heinz Seeger, Geschäftsführer der Gewobau, seinem Mitarbeiter Christian Kossmann (Technischer Leiter) sowie Hans Bettino Gagliani und Katharina Blagojevic vom Stadtplanungsamt.

„Das Gebäude ist sinnig erschlossen“, stellte Ferri fest. Um es in seiner Struktur zu erhalten, planen Gewobau und Architekt die komplette Freilegung des Gebäudes. Nach der statischen Ertüchtigung und punktuellem Austausch von Gebäudeteilen erfolge dann die Dachsanierung.

Statische Ertüchtigung und punktueller Austausch von Materialien
„Man hat schon das Gefühl, das könnte ein Schmuckstück werden“, waren sich Karl-Heinz Seeger und Christian Kossmann einig. Auch darüber herrschte Einvernehmen: „Man kann aus solchen Barracken modernen Wohnraum machen.“ Seitens der Stadtplanung kam die Anregung, zum Innenhof des Gebäudes einen kleinen Balkon anzubauen, womöglich auf einer filigranen, aber sicheren Stahlkonstruktion, wie sich Architekt Ferri vorstellen kann. Die Fassade zur Mannheimer Straße hin wird erneuert, an der barocken Anmutung mit Fachwerk und Klappläden werde sich jedoch kaum etwas ändern. Die Statik überprüft das hiesige Ingenieurbüro Thom, das auch einen „Blick für Holz und Details“ habe, so Kossmann.

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Bei der Realisation wird Wert darauf gelegt, dass nachhaltige Materialien wie Rockwool zur Dämmung des Daches verwendet werden. Ferri ergänzte, dass bei der Sanierung des Gebäudes auch Lehm und Kalkputze zum Einsatz kommen, um möglichst nahe an der historischen Bauweise der Fachwerkhäuser zu bleiben und später keine Schimmelschäden zu verursachen. Da die pittoreske alte Neustadt zum Stadtbild gehöre und unbedingt erhaltenswert sei, achtet Seeger zudem darauf, „die Wertschöpfungskette hier in der Region zu lassen.“ Wer sich hier engagiere, der habe auch ein Herz für die Region.

Zugang zum Eiermarkt mehr in Szene setzen
Für die Gewobau ist das Engagement im historischen Stadtkern aber auch eine Reverenz an die hiesigen Mieter und Mieterinnen, denn die Wohnungsbaugesellschaft vermietet in der Nachbarschaft rund 100 Wohneinheiten, sieben weitere kommen nach dem geplanten Neubau des alten „Worschtkessel“ hinzu. „Die Neustadt ist eines der Quartiere, die uns am Herzen liegen“, sagt Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Kaster-Meurer, die sich der baulichen Herausforderung in der Mannheimer Straße 27 durchaus bewusst ist. „Wir nehmen die Verantwortung gern auf.“ Stadtplaner Hans Bettino Gagliani sieht im Engagement der Wohnungsbaugesellschaft noch einen anderen Vorteil, vor allem, was die Nutzung des im Gässjer-Jargon als „4 Arschbacken“ bekannten Zuwegs zum Eiermarkt betrifft. Der schmale, jedoch passierbare Schlitz zwischen dem Gebäude Nr. 27 und der Gaststätte „Holzwurm“ zählt als touristische Attraktion, ist aber durch Taubenkot und Müllablagerungen derzeit keine Augenweide, sondern eher ein Wagnis. Mit der Bereitschaft der Gewobau, in attraktiven Wohnraum zu investieren und dadurch für eine größere Wertschätzung der an sich malerischen Umgebung zu sorgen, habe die Stadt auch die Möglichkeit, den Eiermarkt für Besucher und Bewohner wieder mehr in Szene zu rücken.

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Förderung und Bauzeit
Architekt Sandro Ferri hält eine Sanierungsdauer von eineinhalb bis zwei Jahren für realistisch. Es müsse beachtet werden, dass einige Materialien wie Lehme und Trockenputze längere Trocknungszeiten benötigten. Das Gebäude Mannheimer Straße Nr. 27 wird mit Zuschüssen aus dem Förderprogramm der Städtebauförderung saniert. Hier haben sich die Modernisierungsrichtlinien nochmals erneuert. Bereits 2014 war das Gebiet des historischen Stadtkerns in einer gemeinsamen Begehung mit der Dienstaufsichtsdirektion (ADD) kartiert worden. Die Häuser wurden dabei in „besonders förderfähige“ und weniger förderfähige, da unter Denkmalschutzaspekten weniger bedeutsame oder verbaute Gebäude aufgeteilt. Katharina Blagojevic legt jedoch Wert darauf, dass grundsätzlich Förderungen auch für weniger förderwürdige Häuser angemeldet werden können.

red – 01.07.20

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