“JustLena”: Von der Handtaschenmanufaktur zur Masken-Manufaktur

Lena Eiler mit Herrn Grabe vom DRK Koblenz, freut sich, in diesen schweren Zeiten vielen sozialen Einrichtungen der Region mit selbstgenähten Behelfs-Schutzmasken aushelfen zu können.

MERXHEIM / KOBLENZ. „Handmade with Love“… so lautet der Slogan des kleinen Handtaschenmanufaktur-Startups „JustLena“, das die gebürtige Merxheimerin Lena Eiler 2018 in Koblenz gegründet hat. Dieser Slogan hat für das junge Unternehmen gerade eine neue Bedeutung bekommen: Denn statt selbst designte und individuell nach Kundenwunsch genähte, ganz besondere, edle Handtaschen näht „JustLena“ zur Zeit massenweise Behelfs-Mundschutz als Notersatz für soziale Einrichtungen, denen aktuell dieses so wichtige Sicherheitszubehör fehlt und das nur sehr zeitverzögert nachgeliefert werden kann.

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„Vor einer Woche haben wir einen Facebook-Aufruf eines Koblenzer Altenpflege-Stifts gelesen, das händeringend auf der Suche nach Näherinnen für Mundschutz nach spezieller Anleitung war. Ihr Kontingent war nahezu erschöpft und es wurde dringend Nachschub zum Eigenschutz und dem Schutz der älteren Menschen, auch untereinander, gebraucht,“ so Lena Eiler.

Lena Eiler von JustLena näht zur Zeit mit einem großen Team an freiwilligen Helferinnen Behelfs-Schutzmasken für soziale Einrichtungen, anstatt, wie sonst, individuelle Handtaschen der eigenen Design-Kollektion ihres Handtaschenmanufaktur-Startups.

„Da haben wir nicht lange überlegt und uns gemeldet. Außerdem haben wir auch selbst einen Aufruf über Facebook gestartet und unsere Hilfe angeboten. Nun nähen wir aus dem festen und waschbaren Stoff, der eigentlich für unsere Frühjahrs-Taschenkollektion gedacht war, Behelfs-Mundschutz für soziale Einrichtungen zum Selbstkostenpreis beziehunsgweise gegen eine Spende. Das ist uns ganz wichtig, denn wir möchten aus der Notsituation keinen Profit schlagen.“

Lena Eiler wird normalerweise von der angestellten Näherin Jessica Bock und von ihrer Mutter Elvira Schneider unterstützt. Die Prokuristin des Merxheimer Bauunternehmens Schneider Bau ist seit Gründung des Startups auch für ihre Tochter aktiv. Das kleine „JustLena“-Team fertigt Taschen nach verschiedenen, von Lena Eiler entworfenen Designvorlagen ganz individuell so, wie sich die Kundin ihre Lieblingstasche zusammengestellt hat.

Auch die Verkaufsstrategie von „JustLena“ ist sehr individuell. Die Taschen werden – neben einem eigenen Online-Shop, der erst im Januar diesen Jahres live ging – in der Hauptsache in privaten kleinen Verkaufsrunden im Zuhause einer Kundin verkauft. Dieser Absatzweg fällt für das junge Handtaschenmanufaktur-Startup nun wegen der Corona-Pandemie komplett weg. In der aktuellen allgemeinen wirtschaftlichen Situation werden auch kaum Handtaschen über den Online-Shop bestellt. Elvira Schneider: „Wir waren gerade in der Vorbereitung der Frühjahrs- und Ostersaison. Alle Stoffe sind bestellt und bereits geliefert. Aber dann mussten wir alle Verkaufstermine absagen, die Bestellungen entfallen somit und die vorhandenen Aufträge wurden erst Mal auf Eis gelegt. Nun stellen wir die dadurch für uns freigewordene Zeit und auch unsere Stoffe für soziale Zwecke zur Verfügung.“

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Aus der ersten Anfrage hat sich in einer unglaublichen Geschwindigkeit ein nicht enden wollender Notruf nach Stoffmasken entwickelt. Das war für den Drei-Frau-Betrieb nicht mehr allein zu handeln. Aus dem persönlichen Umfeld der Frauen hat sich dann in ebensolcher Geschwindigkeit eine Gruppe von mittlerweile mehr als 20 freiwilligen, ehrenamtlichen Helferinnen zusammengefunden, die aktuell im Dauereinsatz Masken nähen. Frauen, die zur Zeit zu Hause sind, da die Kinder betreut werden müssen und auch ältere Damen – sie alle möchten nach ihren Möglichkeiten nun gerne in der momentanen Situation helfen.

„Jeden Tag kommen neue Anfragen bei uns an, das Telefon steht sowieso nicht mehr still,“ so Lena Eiler. „Dank unserer wunderbaren Mitnäherinnen können wir mittlerweile neben Altenpflegheimen auch Apotheken, Hebammen, Sozial- und Rettungsdienste sowie Krankenhäuser in Koblenz und der Region Bad Kreuznach mit den Behelfs-Stoffmasken beliefern. Auch ein Pizza-Service verwendet sie.“

Den Kurierdienst haben derweil Lena Eilers Vater Bruno Schneider und ihr Bruder Michel Schneider, Inhaber und Geschäftsführer der Schneider Bau Gruppe Merxheim, übernommen. 2018 hat Bruno Schneider in Bad Sobernheim den Biergarten und gerade erst im letzten Jahr das dazugehörige Brauhaus „Denkmalz“ eröffnet, das aufgrund der Pandemie zur Zeit auch geschlossen ist. Nun fährt Bruno Schneider zusammen mit seinem Denkmalz-Team die Stoffe von Koblenz nach Merxheim beziehungsweise zu den anderen Näherinnen, um dann die fertigen Stoffmasken wieder abzuholen und an die sozialen Einrichtungen in Koblenz und in Bad Kreuznach zu verteilen. – Alles läuft ohne persönlichen Kontakt ab, versteht sich. Jede Näherin arbeitet in ihren eigenen vier Wänden, die Stoffe werden vor die Tür gelegt und ebenso die Masken von Tür zu Tür geliefert.

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Lena Eiler: „Wir sind tatsächlich überrannt worden von der starken Nachfrage. Im Schnitt sind drei Masken pro Stunde zu schaffen. Zur Zeit stehen Aufträge von mehr als 1.000 Masken ins Haus – das können wir dann nicht mehr komplett mit unseren eigenen Stoffen produzieren und kostenfrei bewältigen. Allein für die Bestellung der Schrägbänder haben wir bis jetzt mehr als 2.000,00 Euro bezahlt. Wir freuen uns daher über einen Zuschuss für den Zukauf der Bänder – oder Schrägbänder-Spenden. Auch der Draht, der in den Masken verarbeitet wird, muss von uns zugekauft werden. Stoffspenden sind tollerweise allerdings zwischenzeitlich schon reichlich bei uns eingegangen. – Es war und ist für unsere Familie und das gesamte Team an Ehrenamtlichen, denen man nicht genug für ihren freiwilligen Einsatz danken kann, ein Herzens-Anliegen, mit dieser Aktion unseren Beitrag zur Soforthilfe leisten zu können. Nun fertigen wir statt Handtaschen Behelfs-Schutzmasken ‚Handmade with love‘.“

red – 27.03.20

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