Die Hilfe für Afghanistan lohnt sich – Die Ärztin Najiba Bemanesh berichtet aus ihrer Heimat

Medizinische Versorgung im Freien

REGION. Die Ärztin Najiba Bemanesh stammt aus Afghanistan und kam auf der Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat in den 1980er Jahren nach Deutschland. Seit dem Fall der Taliban-Herrschaft setzt sie sich für die Menschen ein, die dort leben, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Sie ist Vorsitzende des Vereines „Afghanistan – Hilfe, die ankommt e.V.“. Die Mitglieder haben sich vorgenommen, medizinische Hilfe zu leisten, Schulen zu fördern, Familienpatenschaften zu vermitteln und betreiben eine Nähstube.

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In einem Pressegespräch im Ausländerpfarramt berichtete sie vom letzten Besuch in ihrer alten Heimat. Um sich vor Ort selbst davon zu überzeugen, dass und wie den Menschen im Norden des Landes geholfen wird, besuchte Najiba Bemanesh von Mitte Juli bis Anfang August den Ort Pol-E Khomri in der Provinz Baglan. Zuvor hielt sie sich mehrere Tage in Kabul auf und begutachtete dort eine Klinik im Auftrag einer anderen Hilfsorganisation. Im Anschluss reiste sie mit 50 Kilogramm Medikamenten im Gepäck zu ihren Verwandten. Denn für die Hilfsarbeit ist es wichtig, dass man ein Netzwerk in der Region hat. „Man braucht die Kontakte vor Ort,“ erklärte sie. „Ich kenne die Straßen und meine Verwandten unterstützen mich.“ Ihre Familie war und ist bekannt, ihr Vater hatte ein hohes politisches Amt inne. „Ich denke, ich werde bis jetzt akzeptiert,“ stellt sie fest, aber trotzdem bleibt ihre Arbeit gefährlich. Denn in der Nähe des Ortes ist mittlerweile eine Hochburg der Taliban und auch der IS macht sich breit. Sie konnte besonders in der Nacht die Kämpfe hören und die Straßensperren behinderten die Arbeit der Helferinnen und Helfer.

Allen Widerständen zum Trotz konnten aber im vergangenen Jahr die Wohnungsverhältnisse in mehreren Dörfern auf dem Land verbessert werden. Die Menschen bekamen Fenster und Türen für ihre einfachen Lehmhütten, damit sie nicht mehr im Kalten schlafen müssen. Denn was nützt die gespendete Holzkohle, wenn die Wärme die Hütte gleich wieder verlässt.

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Patenschaften für 80 Familien konnten vermittelt werden. Für monatlich 30 € bis 50 € kann so zwischen je 3 und 10 Menschen geholfen werden. Bedingung der Unterstützung ist dabei, dass die Kinder zur Schule gehen. Natürlich werden auch Lebensmittel verteilt und für das Opferfest auch Fleisch. „Leider können wir nicht allen helfen, die unsere Unterstützung nötig haben,“ bedauert Najiba Behmanesh. Deshalb legt sie den Schwerpunkt auf Witwen und Waisenkinder. Ein Problem, dass in der letzten Zeit immer größer wird, ist die Drogenabhängigkeit der Familienväter. „Neben dem Krieg ist das Drogenproblem groß,“ stellt die Ärztin fest.

Najiba Behmanesh beim „Hausbesuch“.

Auch wenn die Verhältnisse nicht optimal sind, am Tag wird es schon einmal 40° C heiß und sie arbeitet mehr als 10 Stunden in der Hitze, macht ihr die Hilfe vor Ort Freude. Sie ist dann körperlich erschöpft, aber die seelische Belastung ist schlimmer. Für die Menschen in ihrer alten Heimat sind Tote, Krieg und Raketen fast schon „normal“. Das liegt wohl auch daran, dass die Situation im Land seit 40 Jahren so ist. „Mit jedem Besuch wird die seelische Belastung immer schlimmer,“ erklärt Najiba Behmanesh. Auch weil der Krieg immer näher komme. „Da ist man oft den Tränen nah.“

Pfarrer Siggi Pick, der im Verein mitarbeitet, bemerkte, dass wohl jede Familie im Norden Afghanistans mittlerweile Tote zu beklagen hat. Während des Einsatzes der Bundeswehr sind bisher 58 Soldaten dort gestorben (Quelle: Bundeswehr.de – Stand 24.07.2019). Vom Frieden ist man immer noch weit entfernt. Deshalb ist es für ihn unverständlich, dass Deutschland vereinzelt Flüchtlinge wieder dorthin zurückschicken will. Für Najiba Behmanesh sitzt Afghanistan immer noch auf einem Pulverfass und ist alles andere als sicher.

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Abschließend stellte sie fest, dass die Hilfe des Bad Kreuznacher Vereins zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei, aber sie habe zur Folge, dass zum Beispiel 80 Familien nicht verhungern müssen. „Vor allen Dingen Kindern wollen wir helfen,“ betont die Ärztin, „denn jeder einzelne Mensch ist für mich wichtig! – Die Arbeit lohnt sich auf jeden Fall!“ Vermutlich wird sie sich deshalb in der Zukunft wieder mit 50 Kilogramm Medikamenten auf den Weg in den Norden Afghanistans machen.

Wer helfen möchte, oder eine Familienpatenschaft übernehmen will, kann sich direkt an den Verein „Afghanistan – Hilfe, die ankommt. e.V.“ (Najiba Behmanesh, Herrmannstraße 160, 55545 Bad Kreuznach – Mail: info@afghanistan-hilfe.de – Homepage: www.afghanistan-hilfe.de) wenden. Spenden kann man direkt auf das Konto (Nummer 170 401 22 bei der Sparkasse Rhein-Nahe) überweisen.

red – 10.09.19

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