Kreis Mainz-Bingen stellte Wohnungsmarktkonzept vor

Landrätin Dorothea Schäfer (rechts) und Erster Kreiseigeordneter Steffen Wolf (links) stellen gemeinsam mit Dietmar Hoffmann vom GEWOS Institut das Wohnungsmarktkonzept für den Landkreis Mainz-Bingen vor. Foto: Kreisverwaltung Mainz-Bingen/ Kilian Grau

KREIS MAINZ-BINGEN. 2035 – bis dahin ist noch etwas Zeit. Spätestens dann aber werden 8.800 Wohneinheiten zusätzlich im Landkreis Mainz-Bingen benötigt. Das zeigt das Wohnungsmarktkonzept, mit welchem die Kreisverwaltung Mainz-Bingen das GEWOS Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung GmbH beauftragt hatte. Darin wird der Bedarf an Wohnraum im Kreis ermittelt und es werden Handlungsoptionen gegeben, diesen zu decken. Besonders im preisgünstigen Wohnraum wird sich der Bedarf niederschlagen. 2017 fehlten bereits 1.300 Wohneinheiten in diesem Segment – Tendenz steigend. Das Konzept stellte Dietmar Hoffmann vom GEWOS Institut dem Kreisausschuss nun vor. Die Kosten beliefen sich auf rund 27.000 Euro.

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Der Landkreis Mainz-Bingen gehört zur Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main und ist bundesweit einer der wirtschaftlich stabilsten Kreise. Die Folge: Der Landkreis wächst.  Im Zeitraum von 2011 bis 2017 stieg die Einwohnerzahl um 4,2 Prozent. Wohnraum ist hier begehrt. Der Siedlungsdruck steigt insgesamt an, genau wie die Preise. In den Verbandsgemeinden und Städten ist diese Entwicklung ganz unterschiedlich zu spüren. Welche Möglichkeiten bieten sich der Kreisverwaltung Mainz-Bingen, dem entgegenzuwirken?

Landkreis möchte aktiv im Wohnungsbau werden

Um die Alternativen auszuloten, wie der Kreis aktiv im Wohnungsbau mitmischen kann, verabschiedete der Kreistag Ende 2018 eine Resolution. Diese liegt dem Land seither zur Prüfung vor. In dieser wird gefordert, dass sich die Landkreise öffnen und an der Planung von Wohnraum aktiv mitwirken dürfen. Denn momentan liegt die Planungshoheit alleine bei den Kommunen. Dafür müsste jedoch eine Änderung der Landkreisordnung erfolgen. Denkbar wäre auch die Gründung eines Zweckverbandes. Diesem könnten die Kommunen auf freiwilliger Basis beitreten. Der Kreis bringe sich und seine Expertise dann als Strukturgesellschaft ein, könnte beraten und auch Personal sowie Kapital stellen. Auch hier prüft das Land, inwieweit die Gründung eines Zweckverbands mit der aktuellen Gesetzeslage vereinbar ist.

Ganz wichtig ist der Kreisspitze dabei: „Wir wollen die Planungshoheit in jedem Falle bei den Kommunen lassen“, so die Landrätin Dorothea Schäfer. „Nicht jede unserer Kommunen ist gleich stark betroffen, was den Siedlungsdruck angeht. Hier wollen wir unterstützend mithelfen und gemeinsam an einer flächendeckenden und nachhaltigen Lösung arbeiten“, so der Erste Kreisbeigeordnete Steffen Wolf.

Was tun gegen den Siedlungsdruck?

Bis 2035 steigt die Bevölkerung im Landkreis laut Studie um 2,7 Prozent. „Wir können nicht warten, bis die Prognosen Wirklichkeit werden, sondern müssen jetzt handeln“, so die Landrätin Dorothea Schäfer. Die Studie sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.  Um den Mehrbedarf zu decken, muss an etlichen Stellschrauben gedreht werden: Ein Neubaumix flächensparender Wohnformen für Familien mit Reihen-, Stadt- und Mehrfamilienhäusern stellt eine der vielen Handlungsempfehlungen dar, die aus dem Wohnbaukonzept hervorgehen. Zusätzlich rückt die Flächenentwicklung in den Fokus: Geeignete Flächen müssen beobachtet und zur richtigen Zeit aktiviert werden. Auf diesen können Kombinationen aus Wohn- und Eigentumsformen für Klein- und Normalverdiener entstehen, wie beispielsweise sozial gemischte Gebiete. Doch nicht nur Flächen entwickeln, auch Baulücken nutzen hilft dabei, sich bietende Nachverdichtungspotentiale auszuschöpfen. Ein Baulückenkataster gibt einen guten Überblick über diese Potentiale. Außerdem sollen Eigentümer zur optimalen Nutzung ihrer Grundstücke beraten werden.

Gemeinsam für eine gute Infrastruktur

In allen Fällen gilt jedoch: „Überlassen wir die Preise dem Markt, wird dieser nicht in der Lage sein, die Preise zu regulieren und das Problem zu lösen“, so der Erste Kreisbeigeordnete Steffen Wolf. Aus diesem Grund halte er es für zwingend erforderlich, dass Kreis, Städte und Kommunen gemeinsam vorangehen, um dem Siedlungsdruck gemeinsam entgegenzuwirken.

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Einig ist man sich im Kreis, dass neben dem Wohnbaukonzept auch die Infrastruktur im Landkreis Mainz-Bingen eine tragende Rolle spielt: „Eine gute Infrastruktur macht auch ländlichere Regionen für Familien attraktiv, sich dort niederzulassen“, so die Landrätin Dorothea Schäfer. Die gute Infrastruktur im Kreis und das Wohnbaukonzept würden in einander greifen, die daraus entstehenden Synergien müssten genutzt werden. Der Breitbandausbau wurde bereits forciert und durch Land und Bund gefördert und die Schulen in der Trägerschaft des Kreises sind nicht nur mit schnellem Internet versorgt, sondern auch mit modernster Technik ausgestattet. Auch am Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird kontinuierlich gearbeitet: Jüngst wurde ein neues ÖPNV-Konzept im Kreistag auf den Weg gebracht, das 2022 in Kraft tritt.

 red – 12.04.19

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