Kritik an DEHOGA-Landespräsident – Nahe News Interview mit Gereon Haumann

Gereon Haumann

RHEINLAND-PFALZ. In den letzten Tagen und Wochen ist der rheinland-pfälzische Präsident des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes (DEHOGA) immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem wegen seiner vorzeitigen Wiederwahl im August 2018 bis zum Jahr 2029, obwohl seine Amtszeit noch bis 2021 läuft, dem Vorantreiben eines Ausschlusses eines DEHOGA-Mitglieds der Kritik an Haumann äußerte oder auch mit seinem Hotel im Bad Kreuznacher Stadtteil Bad Münster am Stein / Ebernburg, das zur Zeit wegen Renovierungen geschlossen ist. Es gab Gerüchte, dass das Hotel nicht mehr geöffnet wird.

Wir trafen Gereon Haumann zu einem Interview und sprachen ihn auf diese Themen an.

Herr Haumann, im Moment gibt es stürmische Zeiten für Sie. Sie stehen mit einigen Themen in der Kritik. Warum haben Sie sich im letzten Jahr vorzeitig ihre Amtszeit bis 2029 verlängern lassen, obwohl ihre Amtszeit noch bis 2021 lief?

Gereon Haumann: “Stürmisch, ja das ist ein gutes Stichwort nach den orkanartigen Windstürmen gestern in Rheinland-Pfalz. Stürmische Zeiten für mich? Nein, das empfinde ich nicht so, allerdings binden mich zeitlich tatsächlich juristische Fragen einer Gruppe von 19 Mitgliedern rund um die mit großen Mehrheiten getroffenen Beschlussfassungen an unserem Delegiertentag vom 14.08.2018. Der Delegiertentag liegt mehr als 6 Monate zurück. Wir sind mit unserem Team mitten in der inhaltlichen Arbeit für die wichtigen Themen unserer Branche. Das Infragestellen von Beschlüssen durch eine kleine Gruppe von Mitgliedern, die in der Sache von der Mehrheit in der Versammlung überstimmt wurden, und dies bei Mehrheiten von weit über 2/3 der Stimmen mit dieser zeitlichen Verzögerung, das ist selbst für mich ungewöhnlich und von neuer Dimension.”

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Aber es ist doch ungewöhnlich, man könnte den Vergleich ziehen, dass ein aktueller Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin während seiner Amtszeit sagt, ich möchte vorzeitig wiedergewählt werden und beantrage Wahlen.

Gereon Haumann: “Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Ich bin Präsident eines Arbeitgeber- und Branchenverbandes, aber bekleide kein Staatsamt und schon gar nicht das der Bundeskanzlerin.
Die Entscheidung des Delegiertentages vom 14.08.2018 mögen Sie für ungewöhnlich halten. Tatsächlich war es allerdings die logische Folge der Gremienbeschlüsse vom Frühjahr 2018, die wiederum dem Wunsch der Kreisvorsitzenden entsprachen, den amtierenden Präsidenten möglichst frühzeitig möglichst langfristig an die Spitze des Verbandes zu wählen.
Insofern ist die Initiative eben gerade nicht von mir ausgegangen, sondern war ausdrücklicher Wunsch und einstimmiger Beschluss der verbandseigenen Gremien, die eine solche vorzeitige, und damit aus Sicht der Delegierten rechtzeitige Wahl des Präsidenten und damit Sicherung der Führung des Verbandes wollten. Die Satzung des DEHOGA Rheinland-Pfalz e. V. regelt ausdrücklich die Möglichkeiten einer Amtsperiode des Präsidenten von 8 Jahren. Für die Wahl des Bundeskanzlers beziehungsweise der Bundeskanzlerin sieht unser Grundgesetz eine Wahlperiode von 4 Jahren und eine Verlängerung der Wahlzeit nicht vor. Insofern: ja, in der Tat eine andere Regelung in den Statuten unseres Verbandes und deshalb nicht vergleichbar mit der Wahl des Bundeskanzlers beziehungsweise der Bundeskanzlerin.

Mit ihrer vorzeitigen Wiederwahl haben sie bei einigen DEHOGA-Mitgliedern für Unmut gesorgt. Das ging sogar soweit, dass 20 Mitgliedsbetriebe beim Amtsgericht eine Klage gegen ihre Wiederwahl einreichten. Können Sie sich 100 Prozent sicher sein, dass das Gericht die vorzeitige Wiederwahl als rechtens sieht?

Gereon Haumann: “Der Spruch „vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand“ kommt ja nicht von ungefähr und der ein oder andere mag diese Erfahrung auch schon einmal gemacht haben. Insofern sollte man bei ausstehenden Gerichtsentscheidungen nie „nie“ sagen. Aber selbstverständlich hat unser Verband in Vorbereitung des Delegiertentages die satzungsgemäßen Umsetzungsmöglichkeiten mit seinem Justiziar und dem seinerzeit die Satzung erstellenden Notar hierzu abgestimmt: beide haben die Beschlussvorlagen für den Delegiertentag vom 14.08.2018 im Vorfeld geprüft, als satzungskonform bewertet und so den Mitgliedern vorgeschlagen.”

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In der letzten Woche gerieten Sie in die Schlagzeilen, weil Sie das Mitglied, den Hotelier Matthias Ganter von der Mosel wegen Kritikäußerungen aus dem Verband ausschließen möchten. Müssen Mitglieder Angst haben aus dem Verband ausgeschlossen zu werden, die Sie kritisieren?

Gereon Haumann: “Richtig ist, dass das Präsidium am 28.01.2019 über die Einleitung eines Ausschlussverfahrens gegen das Mitglied Matthias Ganter beraten und dies einstimmig beschlossen hat. Falsch ist, dass der Grund für diese Maßnahme kritische Äußerungen des Mitglieds gewesen wären. Grund für diese Maßnahme waren unwahre Behauptungen des Herren Matthias Ganter in der Öffentlichkeit zu angeblichen „Honoraren in Höhe von 330 000 Euro“, die ich vom Landesverband erhalten würde und mit denen der Verband „belastet“ werde.
Weder erhalte ich vom Landesverband „Honorare“, noch überhaupt Leistungen des Landesverbandes in der behaupteten Höhe. Das Präsidium, wie im Übrigen auch der Große Vorstand – bestehend aus allen Kreisvorsitzenden und den Mitgliedern des Präsidiums – bewerten dieses Verhalten als massiv verbandsschädigend und haben entsprechend der Satzung die notwendigen Schritte zum Schutz des Verbandes eingeleitet. Diese Einschätzung der Gremien des DEHOGA Rheinland-Pfalz teilt im Übrigen auch das Landgericht Bad Kreuznach. Das Gericht hat Herrn Ganter unter Strafandrohung von bis zu 250.000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft von bis zu 6 Monaten untersagt, diese unwahren Behauptungen zu wiederholen. Herr Ganter hat die Entscheidung des Landgerichts akzeptiert.”

Der SWR berichtete kurz vor Weihnachten, dass Sie im Dezember 2014 mehr als 250.000 Euro an Honorar bekommen haben. Früher haben die Präsidenten immer nur eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen und waren ehrenamtlich tätig. Dies soll auch so in anderen Landesverbänden so sein. Ist der Betrag gerechtfertigt und wenn ja, warum?

Gereon Haumann: “Diese Frage haben die Mitglieder und Gremien des Verbandes bereits 2013 entschieden und zu diesen Bedingungen ihren Präsidenten gewählt.”

Ihr Hotel in Bad Münster am Stein / Ebernburg ist derzeit geschlossen. Es gab Gerüchte, dass dieses auch geschlossen bleibt. Dem haben Sie bereits widersprochen. Können Sie sich vorstellen, wie dieses Gerücht entstand und wann werden die ersten Gäste wieder in ihrem Hotel begrüßt?

Gereon Haumann: “Das Spekulieren um die Herkunft und den Ursprung dieser Gerüchte wäre nichts anderes als ein weiteres Gerücht. Daran werde ich mich nicht beteiligen. Was das Hotel anbelangt, so haben wir derzeit wie in den vergangenen Jahren auch saisonbedingte Betriebsferien. Gemeinsam mit meiner Ehefrau Susanne werde ich Mitte April die ersten Gäste des Jahres 2019 willkommen heißen.”

Vielen Dank Herr Haumann für das Interview.

pdw – 05.03.19

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