Eiseinbruch und Erfrierungen: Lebensrettende Tipps für den Notfall

REGION. Die frostigen Temperaturen sorgen in diesen Tagen für zugefrorene Gewässer, die bei vielen Menschen die Versuchung weckt, sich auf das Eis zu wagen. Gleichzeitig drohen bei eisigem Wind schnell Unterkühlungen und Erfrierungen. Das Deutsche Rote Kreuz in Bad Kreuznach und die Deutsche-Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Bad Kreuznach geben daher wichtige Ratschläge zum Verhalten bei Kälte, Erfrierungen und Unfällen mit Eiseinbruch.

Beachten Sie unbedingt die örtlichen Warnhinweise.

„Erklären Sie diese auch ihren Kindern. Auf Seen kann das Eis durch Strömungen unterschiedlich dick sein. Industrielle Zuläufe lassen die Wassertemperatur steigen. Besonders gefährlich sind Talsperren, deren Pegel sich ständig ändert. Dort bilden sich unter dem Eis Hohlräume. Auch an Fischerlöchern, Eisrissen und Einbruchstellen ist die Tragfähigkeit verringert. Ein Knistern kündigt an, wenn das Eis bricht. Verlassen Sie sofort kriechend die Eisfläche – auf dem gleichen Weg, auf dem Sie gekommen sind. Warnen Sie andere Personen, die sich auf dem Eis befinden. Wir warnen eindrücklich vor dem Betreten von Eisflächen, die nicht explizit freigegeben sind.“ mahnt Rüdiger Otto, Technischer Leiter Einsatz bei der DLRG Bad Kreuznach.

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Schnellstmöglich Notruf (112) absetzen!

„Achten Sie auf die eigene Sicherheit. Holen Sie sich weitere Unterstützung, indem Sie laut um Hilfe rufen. An vielen Gewässern werden zur Winterzeit Hilfsmittel wie Rettungsringe und -leinen zur Bergung von eingebrochenen Personen bereitgestellt.

Wenn das nicht der Fall ist, reichen Sie der eingebrochenen Person vom Ufer aus einen Schal, einen Stock oder ähnliches und ziehen Sie sie aus dem Wasser. Liegt die Einbruchstelle weiter weg, sichern Sie sich mit einem Seil und „robben“ Sie am besten zur Einbruchstelle. Hilfsmittel, wie z.B. eine Leiter, können das eigene Gewicht auf dem Eis verteilen und so vor dem eigenen Einbruch schützen.“

Um Kreislaufprobleme zu vermeiden, unterkühlte Person langsam erwärmen:

„Bringen Sie eine unterkühlte Person in einem warmen Raum. Ziehen Sie ihr vorsichtig die nasse Kleidung aus und wickeln Sie sie in eine warme Decke. Den Betroffenen möglichst wenig bewegen. Bei Bewusstlosigkeit kontrollieren Sie, ob die Person normal atmet. Ist dies der Fall, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. Beobachten Sie immer wieder die Atmung. Bei nicht normaler Atmung bzw. Herz- Kreislaufstillstand beginnen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (30 Mal Herzdruckmassage, 2 Mal Beatmen im Wechsel). Hören Sie erst auf, wenn der Rettungsdienst da ist und Sie dazu auffordert.“ erläutert DRK-Ausbilder und Rettungsassistent Bastian Wolff. „Gerade der frühzeitige Notruf, gibt uns die Möglichkeit, schnell den Rettungsdienst und weitere Einheiten zur Eisrettung parallel zu alarmieren – denn bei Eiseinbruch zählt jede Minute.“ führt Bastian Wolff, der auch als Disponent auf der Integrierten Leitstelle Bad Kreuznach arbeitet, weiter aus.

Aber auch ohne Eisunfall können die tiefen Minusgrade zu Gesundheitsproblemen und Notfällen wie Unterkühlung und Erfrierungen führen. Vor allem der eisige Wind sorgt für gefühlte Temperaturen von über minus zwanzig Grad.

Vermeiden Sie längere Aufenthalte im Freien

Bei extremer Kälte sollte man sich grundsätzlich nicht zu lange im Freien aufhalten, sondern möglichst immer wieder Aufwärmphasen einlegen. Bei längeren Aufenthalten im Freien kann es durchaus zu Erfrierungen kommen. Besonders gefährdet sind Körperstellen, die wenig Schutz durch Muskulatur und Gewebe haben, wie zum Beispiel Zehen, Finger, Wangen, Ohren oder auch die Nase. Erfrierungen verursachen Schmerzen. Die betroffenen Körperteile oder Stellen sind dann weißgrau. Mitunter treten blaurote Flecken auf. Später kann es auch zu Blasenbildung kommen.“ erklärt Notfallexperte Bastian Wolff die Problematik. Zudem hat er noch zwei lebensrettende Tipps für alle Ersthelfer:

Unterkühlung zuerst behandeln:

Oft liegt bei den von Erfrierungen betroffenen Personen auch eine Unterkühlung vor, die zuerst behoben werden muss. Kinder sind davon schneller als Erwachsene betroffen. Zittern, blässliche Haut und blaue Lippen sind die ersten Anzeichen. Bringen Sie eine unterkühlte Person in einen normal warmen Raum und ziehen Sie nasse, kalte Kleidung aus. Hüllen Sie sie in eine Decke ein. Alkoholfreie warme – nicht heiße – Getränke mit Zucker helfen. Die Person sollte langsam und vorsichtig aufgewärmt werden, um Kreislaufbelastungen zu vermeiden.

Erfrierung behandeln:

„Eng anliegende Kleider und Schuhwerk öffnen. Lockern Sie beengende Kleidungsstücke. Bei Verdacht auf Erfrierungen die Hautstelle nur locker keimfrei abdecken. Blasen nicht öffnen. Verfärbt sich die Haut weiß, gelblich oder grau und schmerzt, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Versuchen Sie, erfrorene Körperteile durch Körperwärme erwärmen, z. B. Hände, wenn möglich, in der Achselhöhle. Nicht Rubbeln oder Reiben, erst recht nicht mit Schnee. Das kann zu noch schlimmeren Verletzungen führen. Versuchen Sie, dass die Betroffenen ihre Gliedmaßen selbst bewegen.“

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„Damit der Körper sich bei diesen Temperaturen auf Touren halten kann, ist es wichtig ausreichend zu trinken. Aber weder Alkohol noch Koffein, denn diese Stoffe erschweren dem Körper, Wärme zu produzieren. Warme Getränke sind das Beste, ansonsten Wasser.“ Merkt Rüdiger Otto von der DLRg weiter an.
Die Rettungsexperten sind für Eisunfälle und Notfälle bei Minusgraden bestens ausgebildet und können mit moderner Technik Leben retten. Viel wichtiger ist es jedoch Unfälle zu vermeiden und vor allem Betroffenen auch als Ersthelfer schnell zu helfen.
red – 28.02.18

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